Montag, 15. April 2019

Mein LiWa-Marathon

Hallo,

ob ich es wirklich wagen soll frage ich mich am Samstag mehrmals und erkundige mich auch wie es um ein Ummelden auf eine kürze Distanz steht. Im Endeffekt verwerfe ich den Plan jedoch und fahre am Sonntag morgen bei leichtem Schneefall zum Start des Lichtenwalder Laufevents. Trotz des schon fast obligatorischen Fiebers oder Krankheitsphase in der Vorwoche. Am Mittwoch zeigte das Fieberthermometer kurzzeitig eine Zahl mit einer 4 vorne an... Donnerstag dann geschont, Freitag kurz gelaufen und fest gestellt dass die Kraft zurück kommt.
Am Start treffe ich dann unter den 115 Marathonstartern einige bekannte Gesichter und nach kurzer Plauderei geht es auch endlich los. Endlich weil ich langsam schon zitter vor Kälte. Lange hatte ich überlegt wie sollte ich starten. Es war trocken vorhergesagt, aber eben auch Temperaturen zwischen 1 und 7°C während des Laufs. Also kurz obligatorischen kurzen Hose T-Shirt an und Armlinge übergestreift, 2 Buff-Tücher dabei - nur Handschuhe hätte ich mir noch gewünscht.

Vom Start weg ging es zügig los. Ich hatte kein Zeitziel, wollte Spaß haben, die Landschaft des Schurwalds genießen und gesund durchkommen. Geplant war ohnehin nur ein "Trainingslauf mit Wettkampfverpflegung". Und das ohne Gehetze und Geschubse. Schon 10 Meter nach dem Start konnte jede(r) frei laufen und so ging es auch gleich mal bergab. Bereits der zweite Kilometer sollte der schnellste des ganzen Laufs werden, bei 3:46 min blieb die Uhr stehen. Einfach erstmal vorne mitschwimmen war die Devise. Dann der erste Gegenanstieg und dran bleiben war keine Option. Sonst laufe ich mich gleich zu Beginn kaputt. So eben Kraft so gut es geht gespart und gemütlich weiter. Immer in Sichtweite Läufer vor und hinter mir. Bis Km 7 ging es dann weiter steil bergab um dann die nächsten 5 km konstant bergan zu laufen. Mal steiler, mal kurz verschnaufen. Aber eben auch 200 HM nach oben. Fehlen ja nur noch 500 weitere...
Oben dann der schönste Abschnitt meiner Meinung nach. relativ eben zog es sich nun einige Kilometer dahin und die Wege waren schön weich und entspannt zu laufen. Ich fühlte mich dort super, konnte wieder Km deutlich unter 5 min/km laufen. Bei Km 18 dann wurde ich von den beiden Führenden des 15min nach uns gestarteten Halbmarathons eingeholt. Kurz ein paar Worte mit dem Führungsradler gequatscht und weiter ging es alleine. Bei Km 20 kam dann die Abzweigung zum Ziel oder des ganzen Marathons, und ja, ich dachte kurz nach. Aber wie von alleine bogen meine Füße richtig ab. Ich zog mir dann ein Gel aus des Hosentasche und freute mich über zusätzliche Energie. Auch wenn es nun erstmal bis Km 27 wieder nur bergab gehen sollte. Ein wunderschönes und idyllisches Tal hinab ins Filstal. In Der Zwischenzeit auch immer mal wieder mit Begleitung die mich dann aber doch auch überholten. Egal, ich war mit meiner Zeit zufrieden und lief erstmal weiter. Auch bei den Getränkestationen schnappte ich mir zwar jedes Mal einen Becher Wasser, später Cola, lief ab durch.
Dann Km 27. Ich wusste es wird steil. Aber wenn du 7 km bergab gelaufen bist und dann auf einer Landstraße, die extra gesperrt wurde, hoch laufen sollte und du erstens kein Ende siehts und zweitens es dir wie eine Wand vor kommt, heißt es eben wirklich nur noch: Schritt für Schritt. Auf den Boden schauen und laufen. Und so zog sich eine Perlenschnurr von 5, 6 Läufern mit mir fast am Ende davon diesen Berg hoch. Zwischendrin das erste Mal dann Cola und immer weiter hoch.
Bei Km 32 dachten wir es erreicht zu haben. Aber nur um wieder bergab 50 HM zu verlieren und dann wieder 100 HM hoch. Bei Km 36 war dann klar das war's wohl mit größeren Steigerungen. Aber kleine oder zähe können auch schmerzen.
Um so schöner waren dann aufmunternte Worte von Anwohnern und Streckenposten. Eine informierte mich dann auch über meinen 11. Platz. Cool. Weiter geht's.
Plötzlich eine Fanfare. Ah, für den Läufer vor mir. Ah, ich bekomme auch eine. Tolle Unterstützung und endlich mal etwas anderes als die 3 Stunden Ruhe.
Dann sehe ich vor mir ein Fahrrad und die Marathonführende. Die kommen mir immer näher und bei Km 40 überhole ich dann die Gewinnerin. Soll ich jetzt nochmals Vollgas geben und einen langen Sprint anziehen? Lieber nicht. Krämpfe will ich jetzt nicht mehr. Obwohl ich vielleicht noch einen Platz hätte weiter vorne landen könnte.
Dann das Zielgelände. Und meine 2 Jungs und meine Frau. Erstere rennen auf mich zu und wollen mit mir ins Ziel. Na dann kommt mit. Die letzten 30 Meter ziehen die mich über den Zielstrich.
Knapp unter 3:28 h bleibt die Uhr stehen. Wow. Unglaublich. So schnell war ich auch mal im flachen Frankfurt vor einigen Jahren. So schlecht kann die Form also nicht sein.
Meine Jungs präsentieren mir Stolz ihre Pokale die sie als Teilnehmer des Bambini-Laufs erhalten haben. Leider war ich dafür zu lange unterwegs um sie laufen zu sehen. Muss eben doch noch schneller werden :-)
Ich bekomme auch eine Medaille, eine umfassende Zielverpflegung und leider nur noch kalte Duschen. Aber egal, die Glücksgefühle überwältigen alles.


Ein rundum toller, sehr familiärer und landschaftlich sehr toller Lauf geht zu Ende und ich brauche erstmal 5 Stück Kuchen.



Bis dahin:
Anstregend ist eben auch schön

Markus

Mittwoch, 3. April 2019

Wenn's läuft, oder auch nicht

Hallo,

nach meinem Frankreich-Ultra-Abenteuer waren meine Beine dann doch etwas schwer und träge, aber nichts desto trotz wollte ich sie ein wenig in Bewegung halten. Und so fuhr ich Mittwochs drauf mit meinen Laufsachen im Auto zur Arbeit mit dem Vorsatz nach der Arbeit direkt eine Runde zu drehen. Nur leider lief dann was anderes nicht. Mein Auto. Und zwar auf der Hinfahrt. Motorschaden mitten im Tunnel während des Berufsverkehrs. An diesem Tag war dann wohl dann ich mitverantwortlich für den täglichen Stau.
Nachdem sich der Schreck etwas gelegt hatte, der Abschlepper mich in der Nähe der Arbeit abgesetzt hatte war ich dann ganz froh meine Laufsachen dabei zu haben. So hatte ich wenigstens eine Alternative für den Heimweg. Und diese 17 km liefen dann auch erstaunlich gut. Zumindest für den Frust der in mir saß und die Tatsache dass ich 3 Tage vorher 55 km absolviert hatte.



Am drauf folgenden Wochenende hätte ich zwar gerne einen Longrun für die nächsten Abenteuer eingeplant, aber sowohl Schlafmangel und auch die doch zu müden Beine verhinderten dies. So kam dann auch gerade mal eine 50 km Woche zusammen. Ist okay, gerade als Regeneration.

Aber da doch andere Dinge anstehen sollte es dann wieder rund gehen. Bis zum Freitag war es jedoch mau mit der Zeit, dafür hatte ich dann Freitag frei. Und nachdem ich den Morgen bereits bei herrlichem Sonnenschein im Kindergarten verbracht habe musste ich mittags einfach raus. Geplant waren ca. 17 km, erst am Neckar entlang, dann wellig zurück. Doch schon zu Beginn lief ich erstmal eine extra Schleife und hatte schnell 2 km mehr auf der Uhr als es weg vom Fluss gehen sollte. Dort begann dann mal wieder, leider, ein Irrlauf durch die Stadtteile. Auf meine Orientierung war auch kein Verlass mehr. Irgendwann fragte ich dann doch lieber nach dem Weg. Zu dem Zeitpunkt hatte mein Magen mir allerdings schon erhebliche Probleme bereitet und ich hoffte den schnellsten Weg zu finden. Denn seit dem Frühstück war viel Zeit vergangen und mein Bauch war leider komplett leer. So verging km um km und bald hatte ich den Halbmarathon voll. Aber immerhin wusste ich dort dass es nur noch nur 4 km sind. Und auch wenn es einem dreckig geht. 4 Km gehen immer.
Zu hause erstmal die Energiereserven aufgetankt und gut regeneriert. Samstag dann Ruhetag und Sonntags solange meine Familie im Theater war wollte ich noch eine Runde drehen.
Diesmal komplett nüchtern am Morgen, aber wenigstens mit 0,5 l Wasser dabei. Und dem Vorsatz zum ersten Mal eine 3 vorne auf der GPS-Uhr zu haben dieses Jahr.
Wieder ging es am Neckar entlang los, dieses Mal in die andere Richtung. Und nach 11 km von dort dann wieder nach oben in Richtung Ludwigsburg. Gedanklich plante ich schon die Kilometer und hatte die Befürchtung es könnten 2 zu wenig werden. Trotzdem entschied ich mich in dieser frühen Phase gegen einen Umweg und plante diesen lieber für später ein. Bei Km 17 und 18 kam ich dann an 2 Schlössern vorbei und musste dann kurz durch die Stadt laufen. Dann anschließend durch den Stadtwald wo mir schon wieder zu viel los war und wieder raus auf die Felder, immer leicht abfallend Richtung Neckar. Unterwegs merkte ich dann doch die aufkommende Wärme des Tages. 20°C sollten es am letzten Märztag dann auch werden. Ich war zwar im T-Shirt unterwegs, aber noch nicht klimatisch angepasst. Und das Wasser wurde knapp. Und die Kilometer voller. Km 28 war ich wieder am Neckar, von dort sind es auf dem schnellsten Weg 4 km bis nach Hause, entlang des schöneren Weges an der Rems entlang ein km mehr. Und so bestand dann auch erst der letzte der 33 km aus einem kräftezehrenden, aber komplett durchgelaufenen, Anstieg.
Glücklich, und garnicht so fertig wie erwartet, war ich noch vor meiner Familie zu Hause. Und nach einer Dusche kam der gemütliche Teil:


Alkoholfrei natürlich. Ein wahrer Durstlöscher.

Vorgestern ging es dann auf Geschäftsreise, Slowenien ruft. Und 14 km und zum ersten Mal dort ein erklommener Hügel / Berg stand auf dem Programm. Bisher hatten mich dort immer endende Straßen oder Wachhunde  davor abgehalten einen der Berge zu erklimmen.

Nach diesem Pensum über 4 Tage darf ich nun wohl auch wieder positiv in die Zukunft schauen denn schon in 11 Tagen steht der nächste Marathon an.

Montag, 18. März 2019

Die Herausforderung Trail du Petit Ballon

Hallo,

nachdem dass Jahr 2019 mit einem toll gelaufenen Januar so schön angefangen hat konnte es ja nicht so weiter gehen. Schon Mitte Februar lag ich flach. Eine Woche lang. Um danach 3 Tage zur arbeiten und dann mit Grippe wieder das Bett hüten zu müssen. Aus einem geplanten Start beim Neckarufer Marathon Anfang März wurde entsprechend auch nichts. So sehr ich diese Kilometer doch brauchen hätte können. Steht doch erst ein langer, 46 km, Lauf bis Mitte März in den Büchern.

Und auch jetzt, Mitte März, bin ich noch nicht wieder ganz fit. Huste immer noch rum, meine Nase läuft ab und an mehr wie ich, aber trotzdem stehe ich morgen um 4 Uhr auf um 250 km nach Rouffach zu fahren. Zum Trail du Petit Ballon.

Schon zu lange bin ich angemeldet und freue mich auch auf diese Herausforderung. 55,4 km mit 2300 Höhenmeter stehen im Elsass für mich an. Pünktlich um 7 Uhr bin ich an der Halle und habe innerhalb weniger Momente meine Startnummer, eine Packung Nudeln und eine Flasche Sekt. Dann noch ein wenig ausruhen, orientieren und mit 1200 anderen um 8:30 Uhr an der Startlinie stehen.


Und da beginnt die wilde Jagd. Raus aus dem Städtchen, rein in die Weinberge. Über gut laufbare Wiesentrails hoch und runter und immer schön im Wind. Dieser bläst nach den Stürmen der Vorwoche immer noch sehr ordentlich. Zu Beginn lasse ich es einfach mal laufen und schaue wie weit meine Kraft reicht. Dass diese mehr bald ausgehen wird ist mir klar und einkalkuliert.
Nach einer Stunde sind 10 km geschafft und bald darauf erscheint die erste Verpflegung. Hier gibt es wie an den anderen 4 auch Wasser, Iso, Cola, Brühe, Käse, Salami, salzige und zuckrige Kekse, Schokolade und Obst. Weiter geht es sogleich.

Nun geht es in den Wald. Auf weichen Waldboden, teilweise mit Moos bewachsen und mit Tannennadeln übersäumt. Traumhaft. Aber ständig ansteigend und kräfteraubend. Und irgendwo bei Km 15 geht dann fast das Licht aus. Ich bin einfach nur platt. Hole meine Stöcke raus und drücke mich den Berg hoch. Schritt für Schritt. Bei Km 24 gibt eine Verpflegungsstelle, soweit muss ich noch kommen. Und ich erreiche diese auch nach 2:20 h. Jetzt ein paar Kekse und zum Gipfel möchte ich schon noch. Und 14 km später bin ich wieder bei der gleichen Verpflegung und kann aussteigen, so mein Gedanke.
Schon 100 Meter weiter bereue ich das. Es geht so steil nach oben und der Wind bläst selbst im Wald ordentlich. Nun kommen auch Schmelzwasserbäche hinzu und kein Fuß bleibt trocken. An Rennen denke ich nicht mehr. Km für km geht es weiter. Nun auch schon teilweise ohne Bäume, dafür mit Schnee. Richtig sulziger alter Schnee. Schön rutschig, aber Schnee. Immer mal wieder durch ein Weidegitter und irgendwie dem starken Wind stand halten. Der kommt zwar meist von hinten, aber anstrengend um nicht um zu fallen ist's trotzdem. Und dann liege ich im Schnee. Umgeht. Meine Kraft ist eben echt aufgebraucht. Ich überlege ob man auch oben aussteigen kann. Denn mit dem Schnee bergab traue ich mir kaum noch zu. Dann irgendwann sind alle Bäume verschwunden und vor mir liegt ein Hügel. Der Petit Ballon. Die letzten 100 HM noch hoch. Jetzt voll im Wind, der wenigstens von hinten kommt. Und mir jedem Schritt unkontrollierbarer wird. Fast oben kommt eine Böe und ein Fotograf und ich fliegen fast los. Egal, noch 20 Meter, dann ein schnelles Gipfelfoto und weg von hier oben.


Zurück in den Wald. Auf Schnee. Einfach nur hinstehen und runterfahren ist die Devise. Irgendwann kommen wieder laufbare Trails. Endlich. Und Waldwege. Und Läufer die vor mir eine Abzweige falsch nehmen. Was habe ich Glück dass ich aufmerksame Mitläufer habe. Und so geht es auf der super ausgezeichneten Route weiter. Dann endlich Verpflegung. Eigentlich wollte ich nach 4 h dort sein, jetzt bin ich 20 min drüber, aber egal. Ich bin noch dabei. Und viele andere sind auch gekennzeichnet. Etwas Cola und dann langsam weiter. Nun teilweise auch auf der Ebene gehend und immer wieder viel trinkend und essend. Meine Muskeln spiele mit, der Kopf mehr oder weniger auch, aber die Kraft fehlt einfach. Dann ein kurzer Telefonat mit zu hause und dann wow: 2,5 km wunderschöner leicht abfallender Trail. Ich fliege nur so und überhole einen nach dem anderen. So fühlt es sich also an. Leider vergeht dass Gefühl bei Km 40 wieder. Jetzt eben in die psychologische Kiste greifen. Noch 2 km bis zur VP und dann 6 km bis zur VP und 6 bis zum Ziel. Ist doch gar nichts mehr. Wären da nicht die 2 zähen Anstiege die es eben noch anstregend machen. In der Zwischenzeit hat es auch begonnen zu regnen. Ich bin so bei mir dass ich erst im Ziel merke dass meine Jacke auch eine Kapuze hat...

Der Ablauf ist jetzt einfach erzählt. Laufen wo möglich und Kraft vorhanden. Trinken und Essen nicht vergessen. Immer an das Ziel denken. Zeit egal. Schritt für Schritt weiter. Und irgendwann taucht Rouffach wieder auf. Wieder in den Weinbergen. Ein Schild: Noch 3 km. Ein Blick auf die Uhr. 6:40 h. Einmal Kopfrechnen. Dass kann für unter 7 h reichen. Noch vor 3 Stunden unerreichbar. Und so fliege ich so gut es geht dem Ziel entgegen. Jetzt wird durch gelaufen.

Dann der Zielbogen. Endlich da. Endlich stehen bleiben. Endlich. Geschafft! Wow. Was für ein Brett.

Ab zur Zielverpflegung. Etwas Cola und Wasser, dann schnell zu den leider zu wenigen Duschen. Schnell duschen und ab ins Auto. 250 km nach Hause fahren.

Glücklich, aber auch angekämpft komme ich an und bin einfach nur sehr stolz dass Ziel erreicht zu haben. Und um einen Hoddie als Finisherpräsent reicher. Statt Medaille. Auch schön! Und hält warm.

Bis dahin:
Die nächsten Abenteuer warten schon