Montag, 18. März 2019

Die Herausforderung Trail du Petit Ballon

Hallo,

nachdem dass Jahr 2019 mit einem toll gelaufenen Januar so schön angefangen hat konnte es ja nicht so weiter gehen. Schon Mitte Februar lag ich flach. Eine Woche lang. Um danach 3 Tage zur arbeiten und dann mit Grippe wieder das Bett hüten zu müssen. Aus einem geplanten Start beim Neckarufer Marathon Anfang März wurde entsprechend auch nichts. So sehr ich diese Kilometer doch brauchen hätte können. Steht doch erst ein langer, 46 km, Lauf bis Mitte März in den Büchern.

Und auch jetzt, Mitte März, bin ich noch nicht wieder ganz fit. Huste immer noch rum, meine Nase läuft ab und an mehr wie ich, aber trotzdem stehe ich morgen um 4 Uhr auf um 250 km nach Rouffach zu fahren. Zum Trail du Petit Ballon.

Schon zu lange bin ich angemeldet und freue mich auch auf diese Herausforderung. 55,4 km mit 2300 Höhenmeter stehen im Elsass für mich an. Pünktlich um 7 Uhr bin ich an der Halle und habe innerhalb weniger Momente meine Startnummer, eine Packung Nudeln und eine Flasche Sekt. Dann noch ein wenig ausruhen, orientieren und mit 1200 anderen um 8:30 Uhr an der Startlinie stehen.


Und da beginnt die wilde Jagd. Raus aus dem Städtchen, rein in die Weinberge. Über gut laufbare Wiesentrails hoch und runter und immer schön im Wind. Dieser bläst nach den Stürmen der Vorwoche immer noch sehr ordentlich. Zu Beginn lasse ich es einfach mal laufen und schaue wie weit meine Kraft reicht. Dass diese mehr bald ausgehen wird ist mir klar und einkalkuliert.
Nach einer Stunde sind 10 km geschafft und bald darauf erscheint die erste Verpflegung. Hier gibt es wie an den anderen 4 auch Wasser, Iso, Cola, Brühe, Käse, Salami, salzige und zuckrige Kekse, Schokolade und Obst. Weiter geht es sogleich.

Nun geht es in den Wald. Auf weichen Waldboden, teilweise mit Moos bewachsen und mit Tannennadeln übersäumt. Traumhaft. Aber ständig ansteigend und kräfteraubend. Und irgendwo bei Km 15 geht dann fast das Licht aus. Ich bin einfach nur platt. Hole meine Stöcke raus und drücke mich den Berg hoch. Schritt für Schritt. Bei Km 24 gibt eine Verpflegungsstelle, soweit muss ich noch kommen. Und ich erreiche diese auch nach 2:20 h. Jetzt ein paar Kekse und zum Gipfel möchte ich schon noch. Und 14 km später bin ich wieder bei der gleichen Verpflegung und kann aussteigen, so mein Gedanke.
Schon 100 Meter weiter bereue ich das. Es geht so steil nach oben und der Wind bläst selbst im Wald ordentlich. Nun kommen auch Schmelzwasserbäche hinzu und kein Fuß bleibt trocken. An Rennen denke ich nicht mehr. Km für km geht es weiter. Nun auch schon teilweise ohne Bäume, dafür mit Schnee. Richtig sulziger alter Schnee. Schön rutschig, aber Schnee. Immer mal wieder durch ein Weidegitter und irgendwie dem starken Wind stand halten. Der kommt zwar meist von hinten, aber anstrengend um nicht um zu fallen ist's trotzdem. Und dann liege ich im Schnee. Umgeht. Meine Kraft ist eben echt aufgebraucht. Ich überlege ob man auch oben aussteigen kann. Denn mit dem Schnee bergab traue ich mir kaum noch zu. Dann irgendwann sind alle Bäume verschwunden und vor mir liegt ein Hügel. Der Petit Ballon. Die letzten 100 HM noch hoch. Jetzt voll im Wind, der wenigstens von hinten kommt. Und mir jedem Schritt unkontrollierbarer wird. Fast oben kommt eine Böe und ein Fotograf und ich fliegen fast los. Egal, noch 20 Meter, dann ein schnelles Gipfelfoto und weg von hier oben.


Zurück in den Wald. Auf Schnee. Einfach nur hinstehen und runterfahren ist die Devise. Irgendwann kommen wieder laufbare Trails. Endlich. Und Waldwege. Und Läufer die vor mir eine Abzweige falsch nehmen. Was habe ich Glück dass ich aufmerksame Mitläufer habe. Und so geht es auf der super ausgezeichneten Route weiter. Dann endlich Verpflegung. Eigentlich wollte ich nach 4 h dort sein, jetzt bin ich 20 min drüber, aber egal. Ich bin noch dabei. Und viele andere sind auch gekennzeichnet. Etwas Cola und dann langsam weiter. Nun teilweise auch auf der Ebene gehend und immer wieder viel trinkend und essend. Meine Muskeln spiele mit, der Kopf mehr oder weniger auch, aber die Kraft fehlt einfach. Dann ein kurzer Telefonat mit zu hause und dann wow: 2,5 km wunderschöner leicht abfallender Trail. Ich fliege nur so und überhole einen nach dem anderen. So fühlt es sich also an. Leider vergeht dass Gefühl bei Km 40 wieder. Jetzt eben in die psychologische Kiste greifen. Noch 2 km bis zur VP und dann 6 km bis zur VP und 6 bis zum Ziel. Ist doch gar nichts mehr. Wären da nicht die 2 zähen Anstiege die es eben noch anstregend machen. In der Zwischenzeit hat es auch begonnen zu regnen. Ich bin so bei mir dass ich erst im Ziel merke dass meine Jacke auch eine Kapuze hat...

Der Ablauf ist jetzt einfach erzählt. Laufen wo möglich und Kraft vorhanden. Trinken und Essen nicht vergessen. Immer an das Ziel denken. Zeit egal. Schritt für Schritt weiter. Und irgendwann taucht Rouffach wieder auf. Wieder in den Weinbergen. Ein Schild: Noch 3 km. Ein Blick auf die Uhr. 6:40 h. Einmal Kopfrechnen. Dass kann für unter 7 h reichen. Noch vor 3 Stunden unerreichbar. Und so fliege ich so gut es geht dem Ziel entgegen. Jetzt wird durch gelaufen.

Dann der Zielbogen. Endlich da. Endlich stehen bleiben. Endlich. Geschafft! Wow. Was für ein Brett.

Ab zur Zielverpflegung. Etwas Cola und Wasser, dann schnell zu den leider zu wenigen Duschen. Schnell duschen und ab ins Auto. 250 km nach Hause fahren.

Glücklich, aber auch angekämpft komme ich an und bin einfach nur sehr stolz dass Ziel erreicht zu haben. Und um einen Hoddie als Finisherpräsent reicher. Statt Medaille. Auch schön! Und hält warm.

Bis dahin:
Die nächsten Abenteuer warten schon