Dienstag, 2. Mai 2017

Erfolgreiches Finish beim Innsbruck Alpin Trail Festival

Hallo,

das war wohl nix. Oder doch?
Die 85 km beim Innsbruck Alpin Trail Festival bin ich auf jeden Fall nicht gelaufen. Aber von Anfang an.
Die Woche vor dem Lauf gab es heftige Wetterkapriolen. Am Ende war es soviel Schnee dass die Spikes schon als Pflichtausrüstung eingepackt waren bis es am Freitag Vormittag nach Innsbruck gehen sollte. Eine Stunde vor der Abfahrt kam dann die E-Mail mit dem Betreff "Streckenänderung".
Darin wird erläutert dass aufgrund von Lawinengefahrt die Strecke massiv geändert werden musste und verkürzt wird. Wir sollen dann die gleiche Strecke wie die Teilnehmer des K65 laufen. Allerdings wird auch diese geändert so dass wir nie auf über 1000 Meter über Null kommen werden und entsprechend auch die Höhenmeter sich auf geplante 1900 reduzieren.
Die Hinreise bestritt ich entsprechend mit gemischten Gefühlen, hatte ich mich doch für was längeres vorbereitet und darauf gefreut, aber ganz klar war mir auch, meine Sicherheit geht vor.
Auch abends beim Streckenbriefing wurde mir das nochmals bewusst und als dann die Startzeit von 4 auf 6 Uhr verlegt wurde war mir das auch nicht ganz unrecht.
Die Nacht war trotzdem viel zu kurz und gegen halb 6 kam ich am Startgelände an und freute mich auf den Lauf. Immer noch nur mit der Vorgabe ins Ziel zu kommen, was bei 16 Stunden Zeitlimit durchaus machbar ist :-)
Und darüber hin aus mit der Hoffnung vor dem Sieger des "offiziellen" K65 ins Ziel zu kommen die nochmals 2 Stunden nach uns starten damit es sich auf der Strecke etwas entzerrt.
Kurz nach 6 Uhr ging es dann auch los und wir drehten erstmal eine Runde durch das gerade hell werdende Innsbruck und entlang der Inn. Dann ging es raus aus der Start und in Richtung Nordkette hoch. Durch den Dauerregen des Vortags und des feuchten Nebels heute morgen war die Strecke sehr durchweicht. Schritt für Schritt geht es nach oben und schon bald wird es so steil das man in den Gehschritt wechselt um Kräfte zu sparen. Nach 5 Kilometern haben wir dann den ersten Anstieg hinter uns und verlieren fortan gleich mal wieder 2/3 der erlaufenden Höhenmeter. Die Beine sind noch frisch, die Wege teilweise gut zu laufen und so kommt es dass ich es einfach rollen lasse und eine Pace von unter 4 min/km erreiche. Ziemlich unvernünftig, aber was soll's :-) Unten angekommen sollte es dann auf 2 km wieder die gesamten Höhenmeter bergan gehen. Nun gut, aber oben entlang ging aufgrund des vielen Schnees eben leider nicht. Auch wenn wir so leider auf viele Trails verzichten mussten und eher auf Wald und Forstwege ausweichen mussten.
Dann die ersten Verpflegung. Trinken hatte ich zwar noch genug dabei, aber die Wärme der Hütte nahm ich gerne an. Dazu ein paar Nüsse und etwas Schokolade für unterwegs. Und weiter geht's. Nun auf teilweise rutschigen und schneebedeckten Trails tendenziell hinab ins Tal. Unterwegs nochmals kurzer Stop um Schokolade und Salzbrezeln zu tanken und dann 2 Kilometer entlang der Inn. Und schon hatten wir 18 Kilometer geschafft. Keine zwei Stunden waren herum und ich fühlte mich noch richtig gut. Die feucht-nassen Bedingungen wurden auch langsam besser, aber meine Regenjacke auszuziehen traute ich mich nicht, war doch mein Shirt darunter in der Zwischenzeit durchgeschwitzt. Und auch die Armlinge als Wärmeschutz ließ ich erstmal noch an bis die versprochene Sonne wirklich ihre ganze Kraft zeigen sollte.
So kämpften wir uns den nächsten Anstieg, nun auf der Gegenseite der Inn hoch. Langsam hatte sich eine kleine Gruppe gebildet und man lief mehr oder weniger gemeinsam. Das tat gut und gab neue Kraft. Über ein paar tolle Trails gelangten wir nach 27 Kilometer zum Ziel des K25 und dem Start des K42 der erst später erfolgen sollte. Ausreichend verpflegt ging es dann wohl auf den schönsten Streckenabschnitt. Die Sonne kämpfte sich vereinzelt durch den Wald in dem wir auf schmalen Trails auf Wurzeln, schönen Steinplatten und weichen Nadelbaumböden liefen. Einfach herrlich. So hätte ich gerne den ganzen Lauf absolviert. Aber natürlich spukte uns auch diesmal der Wald wieder aus und wir waren an der Brennerautobahn. Nun hinab ins Tal nach Innsbruck. Von dort wären es nur wenige Meter bis ins Ziel, aber zahlreiche Streckenposten wachten entlang der gesamten Strecke darüber das niemand abkürzte und notierten sich die Startnummern. In Innsbruck war dann km 35 erreicht und damit Halbzeit wie ich bei meinem einzig verbliebenen Mitläufer anmerkte. Wir liefen nun zusammen ein paar Kilometer und gingen davon aus das schlimmte hinter uns zu haben. Noch waren wir auf Kurs 7 Stunden Endzeit.
Dann kam jedoch eine Steigung die mir die Kraft aus dem Beinen zog. Irgendwie ganz unharmonisch zu laufen und meine jedes Mal aufgestockten Schokoladenvorräte sollten bei Km 43 auch zu neige gehen. Ebenso wie mein Wasservorrat :-/ Und ich hatte keine Ahnung wie weit es bis zur nächsten Verpflegung sein sollte. Waren diese bisher doch recht nah beieinander gewesen so hatte ich mich dieses Mal verspekuliert. Endlich eine kleine Ortschaft und ich ging davon aus das sich irgendwo hier die Verpflegung aufgebaut haben sollte. Aber leider kam bis zum Ortsausgang nichts mehr. Dort stieß ich dann auch auf meinen Mitläufer und auch ihm fehlte langsam die Kraft. Hinab durch ein Tal und dann bei Km 47 endlich ein Schild mit "Verpflegung".
Hier gab's erstmal eine längere Pause. Ich zog endlich meine Armlinge aus, ließ die Regenjacke aber an und krempelte die bei Bedarf einfach bis zu den Ellenbogen. Und dazu wurde meine warme Mütze gegen eine Schildmütze getauscht. Die Sonne brannte nun doch stärker und so konnte ich meine Augen schützen. Die nächsten 5 Kilometer sollte es hinab ins Inntal nach Hall gehen. Leider waren die Wege nicht die schönsten und auch meine Oberschenkel und Waden machten sich nun bemerkbar. 53 km geschafft - 5.45 gebraucht und noch 15 Kilometer ins Ziel. Ich wusste schon dass das heute noch schwer werden wird und versuchte nach einer ausreichenden Verpflegung langsam wieder anzulaufen. Durch die Stadt gelang das noch ganz okay, aber als wir diese verließen und auf die Felder mit einer zähen Steigung kamen ließen meine Kräfte endgültig nach. Schritt für Schritt ging es weiter und leider auch mit leichten Krämpfen in Waden und Oberschenkeln. Nochmals eine Verpflegung und hätten die mir einen Stuhl angeboten wäre ich wohl so schnell nicht mehr aufgestanden. Auch die 8 Stunden Zielzeit sah ich nun schwinden als ich endlich am letzten Berg oben angekommen anlaufen wollte und mein rechter Meniskus aufschrie. Nicht das auch noch. Naja, Schmerzen gehören wohl dazu und irgendwie muss ich hinab ins Tal. Vorbei an der letzten Verpflegung und zu wissen da unten ist alles geschafft ließ ich es jetzt einfach laufen. Und irgendwann tat es auch kaum noch weh. Zwar bremste ich fast ausschließlich mit links, aber es klappte. Plötzlich und wie aus dem nichts waren wir in Innsbruck und nach einem Kilometer an der Inn und dem Überqueren einer Straße war ich alleine, wie fast vollständig die letzten 15 Kilometer, auf der Zielgerade. Nochmals umdrehen und dann genießen. 7:43 h war ich schlussendlich unterwegs und damit keine 5 Minuten vor dem Sieger der 2 Stunden nach uns gestarteten Läufer im Ziel. Aber geschafft ist geschafft.
Am Ende waren es knapp über 68 Kilometer mit rund 2300 Höhenmeter.
Jetzt erstmal 1,5 Liter Cola, eine Medaille und ganz viel in der Sonne sitzen und die Schuhe ausziehen.
Dann wurde ich müde, ging in meine Unterkunft, duschte lange und heiß und legte mich hin, konnte aber vor Aufregung nicht schlafen. Egal. Nach ein paar Stunden zurück in den Zielbereich und über die Expo schlendern und ein stark reduzierten Schuh mit Gutschein günstig erwerben :-)
Dann noch Pasta-Party und noch die Stimmung in Innsbruck aufsaugen und eine kleine Stadtbesichtigung machen. Meine Beine waren zwar schwer, aber spazieren ging für einige Kilometer dann doch ganz gut.

Auf dem Weg nach Hause hatte ich dann genug Zeit um nachzudenken ob ich es wieder machen würde und da kam ein klares "Ja" bei heraus. Zwar merke ich das ich irgendwo an meine Grenzen stoße und meine Muskeln nicht ganz so gut trainiert sind wie erhofft, aber darauf lässt sich aufbauen.
Meine Beine sind auch schon wieder fast wie neu und die zwei nach Innsbruck Läufe haben sie auch gut weggesteckt.

Und jetzt dass worauf man solange gewartet hat - Bilder:



Bis dahin:
Die nächsten Abenteuer warten

Markus