Dienstag, 16. August 2016

Ich komme zurück

Hallo,

ich komme zurück, so oder so ähnlich waren meine Worte vor knapp zwei Jahren als ich leider beim Allgäu Panorama Ultra aufgeben musste. Und ich bin zurück gekommen.
Am Samstag Nachmittag fuhr ich als ins Allgäu nach Sonthofen um dann nach einem Abendessen in der Turnhalle vor Ort zu übernachten. Wobei ich dort leider nie in den ruhigen Schlaf finden konnte und doch noch sehr gerädert am nächsten Morgen um 4 Uhr war als der Trubel losging. Also Frühstücken, Sachen packen und ab zum Start der auf 6 Uhr terminiert war. 
Frisch war es am Morgen aber ich hatte richtig Bock auf diesen Lauf! 70 Kilometer mit über 3000 Höhenmeter lagen vor mir und pünktlich ging es los. Zuerst 2 Kilometer flach bis zum Fuße des ersten Berges und ich lief mich etwas aus der großen Menge frei um frei und ohne durch fremde Stöcke blockiert zu werden laufen zu können. 
Der erste Anstieg. Man, sind meine Beine schwer. Ja, ich hatte unter der Woche nochmals ordentlich Höhenmeter trainiert dachte aber das es meinen Beinen besser gehen sollte. Doch der Schock kam erst noch. Bei Km 3 der erste leichte Krampf. NEIN! Nicht wirklich. Nicht jetzt schon. Am liebsten hätte ich mich hingesetzt und geweint. Habe ich aber nicht. Ich bin weiter spaziert. In der Hoffnung meine Beine gewöhnen sich heute an das Tempo und die Höhenmeter. Und immer wieder etwas laufen wenn es flacher wurde. Wurde es aber kaum. 
Von meiner Wunschzielzeit habe ich mich schon nach 10 Kilometer verabschiedet. Und wahrscheinlich auch schon vom Ziel. Aber nach 12 Kilometern waren wir endlich am ersten Gipfel. Dann lies ich es etwas runter zu rollen und merkte das die Form eigentlich da war. Nur die Beine nicht so ganz. Immerhin bergab lief es noch. Bis zum nächsten Anstieg. Und teils ewig vorkommenden Asphaltabschnitten bergan. Gebt mir ein Trail und es macht wenigstens noch etwas Spaß...
Nach 19 Kilometer die erste Verpflegung. Hier bin ich das letzte Mal ausgestiegen. Dieses Mal nicht.
Kuchen gibt es. Und das ganz sicher nicht zu wenig. Und schon Cola. Und ich greife zu. Wasser habe ich im Rucksack selbst dabei. Und dann betrete ich bei diesem Lauf Neuland.
Ganz angenehm geht es von nun an wellig, aber tendenziell anfallend weiter. Schöne Wanderwege, aber eben weiterhin mit Krämpfen. Das erste Mal melde ich mich zu Hause. Teile meine Hilflosigkeit mit. "Gesundheit ist das Wichtigste", bekomme ich als Antwort. Also, Aufgeben ist eine Option. Aber irgendwie läuft es bis Km 32 und der nächsten Verpflegung mit Essen. Auch zwischendurch gibt es Getränkestände, und auch das wird reichlich zu Cola getrunken. Soviel wie an diese Tag habe ich noch nie bei einem Lauf getrunken. Und das dankt der Körper auch.
Bei Km 32 sehe ich die erste Aussteigen. Verständlich. Den einfach ist das hier nicht!
Ich laufe jetzt jedoch hinab ins Kleinwalsertal. Und wer unten ist muss auch wieder hoch. Aber wenn ich gewusst hätte wie es da hinauf geht wäre ich auch davor ausgestiegen. Von Krämpfen, nun auch bereits beim bergab laufen, geplagt kämpfte ich mich berghoch. Besser spazierte. Und trotzdem musste ich mich zwei Mal hinsetzen. Tief durchatmen. Kräfte sammeln. Die aufmunternde Worte anderer entgehen nehmen. Und doch musste es weiter gehen. Hier kann ich ja nicht aufgeben. Als ich dann endlich oben war und kaum noch die zahlreichen Wanderer an diesem Tag überholen konnte stand mein Entschluss fest. Bis zur nächsten Verpflegung halte ich noch durch. Wenn diese doch nur hinter der nächsten Kurve gewesen wäre. 
Stattdessen ging es noch 10 Kilometer weiter. Nun auch mit Krämpfen im Schienbein. Bis dato wußte ich nicht einmal das es dort einen Muskel gibt. 
Aber ich litt nicht alleine. Kaum noch jemand um mich herum konnte noch vernünftig laufen. Die Berge hatten ihre Spuren hinterlassen. Und doch liefen wir so gut es ging.
Dann Oberstorf. Die Verpflegung an den Skisprungschanzen rückt näher. Nur noch durch die Häuser hindruch. Noch nie kamen mir 2 Kilometer so lang vor. Und noch nie war ich mir sicherer das es notwendig ist auszusteigen. 
An der Verpflegung habe ich mich erstmal hingesetzt und ließ mir was zu trinken reichen. Dann Uhr stoppen und mir deutlich machen, dass ich jetzt nicht aufstehe und weiter laufe. Oder gehe. 1000 Höhenmeter und 20 Kilometer lagen da noch vor mir. "Gesundheit geht vor". Denn zeitlich wäre das drin gewesen. Das Zeitlimit von 13 Stunden hätte ich gepackt. Hatte ich bis Km 49 doch gerade die Hälfte der Zeit benötigt. Aber was wenn ich irgendwo am Hang sitze und nicht mehr wegkomme? Nein, das tue ich nicht. Also mich abgemeldet und Glück gehabt dass mit mir noch einer ausgestiegen ist und mir per Shuttle sofort zum Ziel fahren konnten. Dort waren bereits die ersten im Ziel. Unglaublich.
Ich könnte mir erstmal eine heiße Dusche und ein ausgiebiges Bad das direkt am Ziel war. Und hatte die Gewissheit das richtige Getan zu haben. Und dafür sogar in den Ergebnisslisten aufzutauchen. Denn es gibt eine Extrawertung vor alle die es bis Km 49 schaffen. Und dazu gehöre. Und das sogar mit Medaille.
In den 2 1/2 Stunden Heimfahrt hatte ich viel Zeit zum überlegen ob es das für mich mit diesem Lauf war. Ob ich nun damit abgeschlossen habe. Und ich weiß es nicht. Was ich weiß. So spontan wie dieses Mal mache ich es nicht nocheinmal. Und nächstes Jahr auch nicht. Aber was irgendwann mal kommen mag schauen wir dann mal. Denn herrlich ist es dort, aber seht selbst:






Bis dahin:
Aufgeben darf eine Option sein

Markus

Kommentare:

  1. Au ha. Erstmal Anerkennung für Deine Leistung, Markus! Wir kennen die Strecke zum größten Teil, da wäre noch ein ganz schöner Hammer hinter den Schanzen gekommen. Sieh es so: das erste Mal ausgestiegen wegen der Familie, das zweite Mal nun wegen Krämpfen (suboptimlae Vorbereitung, und es war ja auch recht warm), das dritte Mal finishst Du dann in Rekordzeit!
    Nochmal: wir wären nicht bis km 49 gekommen, also: tolle Leistung. Und schöne Bilder.

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    1. Rekordzeit vielleicht nicht. Aber ein Finish steht sicher auf der To-Run-Liste ;)

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  2. Tja, die Vernunft hat gesiegt, aber wenn man am Anfang schon kämpft und mit dem Kopf läuft ist es vernünftiger am Ende nicht an die Reserven zu gehen...gut gekämpft! Erhol Dich gut!

    Salut

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    1. Ja, wobei die Reserven da schon fast aufgebraucht waren. Leider gibt es eben auch solche Tage :/

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  3. Moin Markus,

    Du hast nur zweieinhalb Stunde Anfahrt in diese Traumrevier? Ich glaubs ja nicht.

    Ich finde Deine Entscheidung vernünftig. Auch wenn so ein Lauf sowieso ein hartes Brett ist, wenn es von vornherein nicht läuft und keinen Spaß macht, wozu dann stundenlang quälen. 49 km mit Krämpfen durch die Berge laufen ist auch wirklich eine unglaubliche Leistung. Dafür schon meine Anerkennung und herzlichen Glückwunsch. Die Medaille ist verdient!

    Viele Grüße
    Volker
    (für den die Übernachtung in einer Turnhalle der Horror wäre ;-) )


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    1. Des nächste Mal kannst ja hier übernachten auf dem Ziel dorthin und dann laufen wir das Ding zusammen ;)

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    2. Haha, was Du noch nicht geschafft hast, soll ausgerechnet ich mit Dir schaffen? Was willst Du denn mit so einem Klotz am Bein? :-))

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    3. Vielleicht läuft dann ja auch die Vernunft mit ;)

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  4. Lieber Markus,
    Glückwunsch, dass Du Dich so weit durchgekämpft hast bei Deiner Pein und Glückwunsch auch, dass Du dann nicht den vermeintlichen Helden gegeben hast, sondern das einzig Vernünftige getan hast! 49 km in dem Gelände ist schon happig. Du bist weiter gekommen als beim ersten Lauf, das ist auch ein Erfolg. So was ohne Vorbereitung laufen, ist wahrscheinlich zu verwegen. Also wirst Du sicherlich in 1, 2 3 Jahren mit viel Training vorweg das Ding rocken!
    Liebe Grüße, gute Erholung
    Elke

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    1. Ob dann mit viel Training oder lieber etwas weniger um frische Beine zu haben sehen wir dann mal. Aber das ich das so nicht auf mir sitzen lasse ist auch klar ;)

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  5. Lieber Markus,

    dumm gelaufen, wenn die Beine schon auf den ersten km krampfen :(. Respekt für die Leistung im schwierigen aber schönen Gelände bis km 49 und das wahrscheinlich gar nicht so langsam.
    Aufgeben ist immer eine Option, weil einfach nur du entscheidest was du machen möchtest mit so einem Tag. Gesundheitlich hätte dir der Lauf wahrscheinlich nicht geschadet, aber das heisst ja nicht, dass man sich mit Krämpfen durch die Gegend quälen musst.
    Wahrscheinlich kommst du nochmal gut vorbereitet zurück würde ich tippen.
    Herzliche Grüße!

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    1. Klar darf Aufgeben immer eine Option sein. Auch wenn es hart ist. Vernünftig war es!

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  6. Lieber Markus,
    das gemeine an allen Entscheidungen ist ja, dass wir nie wissen, "was gewesen wäre", hätten wir uns anders entschieden! ;)

    Ich kann deinen Entschluss vorzeitig auszusteigen jedenfalls gut nachvollziehen - du hast gekämpft und die Medaille ist mehr, als verdient.
    Wenn ich tippen müsste, würde ich sagen, dieser Lauf sieht dich wieder... vielleicht nach einem leichteren Jahr ohne Hausumbau, Nachwuchs und gezielterer Vorbereitung! :D

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    1. "mit" gezielterer Vorbereitung sollte es natürlich heißen! :D

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    2. Ja, war doch alles ein wenig viel dieses Jahr. Irgendwann habe ich mehr Zeit und dann rocke ich das Ding schon!

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  7. Respekt! Zufällig über Google auf die Seite gefunden und schwer beeindruckt. Richtig klasse, was du da geleistet hast. Ich wäre froh, wenn ich überhaupt jemals in meinem Leben 49 Kilometer laufen werde ;) Bin aktuell noch im Training auf den ersten Halbmarathon (Hauptsache finishen ist das Ziel)... Nicht vergessen: aller guten Dinge sind drei, nächstes mal klappt's bestimmt. Viele Grüße A&N

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    1. Hallo ihr beiden!
      Jede(r) fängt mal "klein" an und irgendwann ist einem eben der "normale Marathon" nicht mehr genug... Aber erstmal viel Erfolg und vor allem viel Spaß beim HM!

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  8. Danke :) Weiterhin auch viel Spaß!

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  9. Das sieht nach einem tollen Lauf in der Natur aus!

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    1. War es. Und es gibt auch kürzere Distanzen ;)

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  10. Du hast alles richtig gemacht - auch wenn das verdammt weh tut. Auch zum Aufgeben muss man stark genug sein! Der Panorama Marathon ist ein herrliches Event - und es läuft Dir nicht weg. Sag also niemals nie. Und sei verdammt stolz auf die 49 Kilometer: Herzlichen Glückwunsch dazu!

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    1. Kannst ja dort nächstes Jahr starten. Ist ganz sicher auch nicht zu überlaufen :)

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