Montag, 18. Juli 2016

Mein erster 24 Stunden Lauf


Hallo,

immer wieder träumte ich davon. Immer wieder verschob ich es. Immer wieder las ich davon. Immer wieder sagte ich mir irgendwann einmal. 
Dieses Mal meldete ich mich an. Bei meinem ersten 24 Stunden Lauf.

Samstag um 10 Uhr sollte es losgehen. In Dettenhausen, am Rande von Stuttgart, findet dieser 24 Stunden Lauf bereits zum 12. Mal statt. Gestartet wurde damals ganz klein so hat sich dieser Lauf in der Zwischenzeit zu einem richtig tollen Lauf gemeistert. Das besondere: Finanziert wird alles über Spenden. Eine Startgebühr gibt es nicht. Aber trotzdem eine automatische Zeiterfassung.

Die Laufrunde hat 1,654 Kilometer und dabei etwa 8 Höhenmeter. Sind nicht viele - summiert sich aber schnell auf.

Ich bin Samstag Morgen angereist, habe mein Zelt aufgeschlagen und ein Verpflegungspunkt aufgebaut und dabei mal wieder festgestellt was für ein Anfänger ich bin. Nicht einmal an einen Stuhl zum Ausruhen habe ich gedacht. 
Meinen privaten Verpflegungsstand deshalb da es seitens des Veranstalters nur Wasser gab. Ist auch ausreichend und so konnte jeder Teilnehmer sich mit dem verpflegen was ihm am liebsten ist.

Neben reichlich Einzelläufern, zum Start um 10 Uhr über 200, waren auch noch zahlreiche Staffelläufer unterwegs. Und im Laufe des Tages sollte es immer noch Nachmeldungen geben. So war dann gefühlt irgendwann das ganze Dorf auf den Beinen.

Punkt 10 Uhr ging es dann los. Ich trabte gemütlich vor mich hin und wollte erstmal die Laufrunde kennen lernen. Zuerst ging es die Höhenmeter nach oben. Dann vorbei am höchsten Punkt der Strecke und von dort abfallend auf einem weichen, mit Rindenmulch bedeckten, Laufgrund. Dort nochmals um die Ecke und nun wieder auf Asphalt weiter ganz leicht ansteigend vorbei am Dorfrand. Dann stand noch eine Runde an den Zelten vorbei an und noch einmal um den Sportplatz herum und schon war die Runde zu ende. Ziemlich kurzweilig und gut zu laufen. So dachte ich noch nach den ersten Runden.

Gemütlich zog ich meine Runden und versuchte von Beginn an ausreichend zu trinken und essen. Die Sonne schien ordentlich und Schatten war Mangelware. Aber ich hatte schließlich Zeit. Trotzdem war ich viel zu schnell unterwegs. Die ersten drei Stunden jeweils rund 11 Kilometer. Doch gebremst wurde ich nun fast von alleine. Meine Fußballen schmerzten. Waren die Schuhe doch schon durchgelaufen? Hatte ich befürchtet aber nicht wahrhaben wollen. 
Nach dem ersten Marathon in 4:15h hielt ich dann auch an. Gezwungenermaßen. 
Aber nicht wegen den Füßen. Klar, die schmerzten jetzt noch mehr und auch das rechte Knie zickte seit einiger Zeit. 
Das Hauptproblem war jedoch mein Kreislauf. Dieser machte schlapp. Mir wurde richtig schwindlig, ich musste mich fast übergeben und brauchte dringend Schatten und eine Sitzmöglichkeit. Diese fand ich dann auch und es traf sich zu gut, das genau zu dieser Zeit gerade meine Frau und meine 2 Söhne ankamen um mich etwas zu unterstützen. So saß ich dann fast eine Stunde ehe ich mich aufraffte und erstmal eine Runde spazierte. Dann mal wieder langsam loslaufen und in den Körper hineinhören. Schwindel war weg aber der Oberschenkel und Knie zickten nun nach ein paar hundert Metern rum. Also laufen, spazieren, laufen, spazieren. 
So bot es sich auch an dass mein großer Sohn mit mir laufen wollte. Und so scheuchten wir uns gegenseitig um die Strecke. Bis er nicht mehr konnte und wir noch eine halbe Runde vor uns hatten. Was blieb mir übrig? Ab auf die Schultern mit ihm und weiter geht es. Muss ein sehr skurriles Bild gewesen sein. Ich schon halb hinkend mit 15 Kilo Zusatzgepäck wandernd. Bis er wieder konnte. Dann das gleiche wieder von vorne. Rennen. Tragen. Nach einer Runde habe ich ihm dann erstmal eine Pause verordnet. 
Meine Wille hier ein ordentliches Ergebnis abzuliefern war da. Erhofft hatte ich zum ersten Mal dreistellig zu laufen. Und träumen kann ich gut.
Dann folgten jedoch zwei Nackenschläge innerhalb kürzester Zeit:
Zuerst fing mein Brustkorb auf der linken Seite an zu drücken. Atmen ging zwar noch recht gut, aber es beunruhigte mich. Und es wurde auch beim Spazieren nicht viel besser. 
Das zweite war als meine Frau auf die Ergebnislisten schaute und ich dann mit blick auf meine Uhr feststellen musste dass wohl mein Chip beschädigt war. Denn leider fehlten da Runden. Doof gelaufen. Ich mache hiermit niemanden einen Vorwurf. Aber es regte mich auf. 
Trotzdem versuchte ich nochmals anzulaufen. Die Schmerzen in den Beinen waren da. Aber das Schmerzen zu so etwas dazu gehören war mir vor Beginn des Laufes bereits klar. Aber mein Brustkorb drückte und ich ich machte mir Sorgen. Macht es so noch Sinn? Sollte ich es wirklich zu Ende bringen? Ist die Gesundheit nicht wichtiger wie ein gutes Ergebnis?
Über 7 Stunden waren bereits vergangen. Und über 60 Kilometer hatte ich auch. Zumindest laut meiner Uhr. 
Mein Sohn wollte nochmals eine Runde laufen und so machten wir dies. Während dieser wurde mir klar, dass im Laufe dieser ich meine weiteste je gelaufen Distanz überbieten werde. Und so trug ich meine Sohn nochmals über die Strecke und entschied es lieber sein zu lassen. Warum heute etwas riskieren wenn ich noch viele Möglichkeiten haben kann. 
Nachdem ich meine Zelte abgebrochen hatte und im Auto saß war ich durchaus etwas traurig und enttäuscht aber trotzdem wusste ich dass die Entscheidung in diesem Fall richtig war! Trotzdem lag ich nachts lange wach und auch am Sonntag Morgen konnte ich nur an die anderen Läufer denken und was diese wohl gerade durchmachen. Wie gerne wäre ich mitgelaufen! Ich komme wieder!

Laut meiner Uhr bin ich 40 Runden gelaufen. Ergibt dann 66,16 Kilometer. 
In der Ergebnissliste stehe ich mit 35 Runden. 57,89 Kilometer.
Stört mich das? Nein. Ich ruhe in mir selbst. Ich weiß was ich gelaufen bin und habe es nur für mich selbst getan. 

Was bleibt sonst?
Hitze und Laufen vertragen sich bei mir nicht. Immer wieder habe ich Probleme wenn es zu warm ist. Daran sollte ich noch arbeiten und meinen Körper besser kennen lernen.

Schmerz gehört bei langen Läufen dazu. Aber zuviel Schmerz muss nicht sein. Und meine Gesundheit geht mir vor. Und wenn ich nie wieder weiter laufen werde dann ist das eben so!

Ich bin noch jung. Und ich habe Familie. Ich habe nicht vor durch eine egoistische Aktion beim Laufen mich zu zerstören. Und daran will ich auch festhalten.







Bis dahin:
Das war es noch nicht!

Markus

Kommentare:

  1. Lieber Markus,
    ach das tut mir leid, dass es nicht geklappt hat!
    Trotzdem hast du so viel Neues kennen gelernt und erfahren dürfen, dass du bei deinem nächsten Versuch ganz anders, an die Sache rangehen kannst! :) (zB: Stuhl mitnehmen nicht vergessen! ;) )
    Also war der abgebrochene Versuch ganz sicher nicht umsonst!

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    1. Ja, so n Versuch darf auch mal schiefgehen. Ich ziehe ja meine Lehren daraus :)

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  2. Tja, Markus, da hast Du auf jeden Fall etwas dazu gelernt, obwohl ich nicht so Recht weiß, was da wirklich ausschlaggebend war.
    War Dein Plan die 24 h durchzulaufen? Dann warst Du nämlich ziemlich ambitioniert und schnell in den ersten Stunden unterwegs. Wenn Du nur die 100 km knacken wolltest, hättest Du es ruhiger angehen können ;-)
    Erhol Dich gut!

    Salut

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    1. Nee, 24h wollte ich nicht laufen. Aber dreistellig werden und dann mal schauen was noch geht.
      Nächstes Mal dann vielleicht mehr

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  3. Emotionen gegen Verstand. Der Verstand hat sich durchgesetzt und das war sicher gut so. Deinem eigenen Fazit habe ich nichts hinzu zufügen.

    Neuer Lauf, neues Glück!

    Respekt vor Deiner Leistung und Deiner Entscheidung!

    VGV

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    1. Das bei mir mal der Verstand siegt passiert schon selten genug. Aber vielleicht ja immer im richtigen Moment.
      Schauen wir mal wie es beim nächsten Mal ausschaut

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  4. Lieber Markus,
    erstmal gaaaaanz herzliche Glückwünsche zur zurückgelegten Distanz! Die kann Dir keiner nehmen und erst recht kein kaputter Chip! Ansonsten: Richtig entschieden, klar, die Gesundheit geht vor. Du hast nun Erfahrungen gesammelt und kannst einen zweiten Anlauf damit bewusster angehen. Schade natürlich, dass Dein Elan so ausgebremst wurde, aber manchmal kommt es einfach nur doof. Blöde Frage, aber: Hattest eine Kopfbedeckung? Weil bei mir Sonne mit nichts auf dem Kopf wohl zu so etwas geführt hätte.
    Erhol Dich gut und liebe Grüße
    Elke

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    1. Danke dir!
      Hatte eine Mütze dabei, aber die lag die ganze Zeit im Zelt. Noch so n Fehler den man nur einmal begeht ;)

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  5. Solche Brustschmerzen machen einem richtig Angst. Die hatte ich unterwegs auch schon. Insofern kann ich deine Entscheidung nachvollziehen. Ich bin damals ins Ziel gelaufen mit dem Entschluss, mich mal durchchecken zu lassen (war dann ohne Befund).
    Die Nichterfassung der Runden kann einen schon mental zermürben und demotivieren. Konnte man das Ergebnis anhand seiner GPS-Aufzeichnung reklamieren?
    Für 100 km hättest du die Hitze im Zelt in aller Ruhe verschlafen können und die fehlenden km nachts sammeln können. Egal, so ein Stundenlauf ist ideal, um solche Erfahrungen zu machen, da man ja nirgends ankommen muss.
    Glückwunsch zur längsten Distanz!

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    1. Ich habe mich vor nem 3/4 Jahr durchchecken lassen. Da war alles okay.
      Ob die Runden nachgetragen werden oder nicht spielt keine Rolle bei mir. Bin ja selbst Schuld und wenn es jetzt um n Sieg gehen würde oder um das Erreichen der Marathondistanz... aber so...
      Klar, die 100 km hätte ich durchaus schaffen können. Aber wenn dann die Frau heim fährt und man gerade Beschwerden hat ist der Weg nach hause plötzlich ganz kurz ;)

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  6. Hey, Markus, das liest sich nicht gut, aber die eigene Gesundheit wegen eines Laufes aufs Spiel zu setzen, wäre bestimmt nicht der richtige Weg. Du bist ja noch jung und knusprig, allerdings würde ich dir empfehlen, erst einmal einen 12-Stunden-Lauf zu machen, um dann irgendwann auch mal den Schritt weiter zu wagen, gut Ding braucht Zeit und der Körper auch !

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    1. Klar, n 24h Lauf war ambitioniert. Aber wirklich durchlaufen wollte ich auch nie.
      Und n passenden 12h Lauf habe ich leider nicht gefunden. Dann eben der Abbruch nach dieser leider viel zu kurzen Zeit.

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  7. Hallo Markus, wir sind schwer beeindruckt. Sowohl von Deiner gelaufenden Leistung, als auch Deiner Haltung: Abbrechen, wenn man merkt, es geht an die Gesundheit. Und dazu stehen. Klasse. Es kommt dann der nächste 24-Stunden-Lauf, dieses Mal dann bei 15 Grad, Du wirst sehen :-) Und dann läufst Du dreistellig. ohne (wenn auch nettes und motivierendes) Zusatzgepäck!

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    1. Gerne auch wieder mit Zusatzgepäck. Wobei er dann wohl groß genug ist um selbst wirklich mitzurennen. Aber es gibt ja noch Nr. 2 :)

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  8. Hallo Markus,

    Auch wenn du enttäuscht bist, so hast du alles richtig gemacht. Es erinnert mich auch szark an meine Aktion.
    Wir verdienen schließlich nicht unser Geld damit.

    Jörg

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    1. Richtig. Es geht um unsere Gesundheit. Die ist wichtiger wie irgendeine Ergebnisliste!

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  9. Hi,
    also ich gratuliere zum Lauf, aber auch vor allem weißt du ganz genau wann es genug ist. Weise Entscheidung!

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  10. Hallo Markus,

    erstmal Glückwunsch zu den 66km! Das ist ja schon einiges. Die Brustschmerzen hätten mir wahrscheinlich auch Angst eingejagt (man rechnet ja eher mit Schmerzen im Laufgestell) und von daher kann ich die Entscheidung absolut nachvollziehen.
    Etwas langsamer angehen für die 100 km vielleicht ?
    Liebe Grüße!

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