Dienstag, 10. Mai 2016

Was ich nie wieder tun wollte

Hallo,

es begab sich zu der Zeit als ich vollkommen untrainiert war und schon ein 15 Kilometer Lauf eine Herausforderung bedeutete. Und als dann vor etwa 4 Wochen Post ins Haus kam das ich einen Startplatz für den Trollinger Marathon in Heilbronn gewonnen hätte hatte ich ein Problem. Denn eine andere, kürzere, Distanz war nicht möglich und zielgerichtetes Training auch nicht mehr.
So lief ich dann eben noch immerhin 3 mal über 20 Kilometer aber mehr wie 25 Kilometer am Stück wurden es nie.
2 Wochen vorher rannte ich dann noch im Wald und knickte auf einer Wurzel um, an Laufen war dann erstmal ne halbe Woche gar nicht mehr zu denken.
Und da es doch kalt wurde Ende April verkühlte ich mich bei diesem Lauf auch noch und holte mir meinen Husten ab.

Also alles zusammen sicherlich keine Voraussetzungen um wirklich an den Start zu gehen. Zumal ich mir ersten geschworen hatte den Trollinger Marathon nie wieder zu laufen. Wie jeden anderen den ich schon mal lief. Und zweitens ich damals dort bei meinem ersten Marathon den längsten Lauf vorab mit nur 18 Kilometer hatte und schon damals wusste was Qualen sind.

Nun ja, im Endeffekt ist es Muttertag und der Tag des Laufes und ich sitze im Auto auf dem Weg zum Start. Das Thermometer ist schon deutlich über 10°C am frühen Morgen und beim Start vor 9 Uhr werden 18°C erreicht sein.

Startnummer also abgeholt und die Zeit bis zum Start mit Beine hochlegen und quatschen mit dem späteren Marathonsieger verbracht. Alles ganz entspannt. 15 Minuten vorher dann zum Start gepilgert und die Nervosität war riesig. Ich wusste genau wie unvernünftig das hier heute ist aber probieren wollte ich es. Aussteigen geht ja doch immer.
Also los geht's. Die ersten drei Kilometer flach am Neckar entlang. Viel zu schnell. Aber so kommen wir schon schneller aus der Sonne raus. Schon hier wurde konsequent der Schatten gesucht auch wenn das die Außenbahn zu laufen war.




Dann ab durch die ersten zwei Ortschaften bis es ab Kilometer 8 ernst wurde. Der erste Hügel, auch "Kotzbuckel" genannt musste erklommen werden. Die Meter zogen sich in den sonnigen Weinbergen und die Kraft schwindet schon jetzt. Aber oben gab's dann erstmal ausreichend Verpflegung und guten Wein. Schließlich sollte das hier und heute auch Genuss und nicht Qual sein. So gut und lang es geht. Nachdem wir die Höhenmeter dann auch sofort wieder runter gelaufen sind begann der wärmste Teil der Strecke. Von nun an, solange man nicht durch Ortschaften lief, zieht es sich auf Landstraßen oder den Fahrradwegen nebenan immer leicht ansteigend und mit kaum Schatten gesegnet bis Kilometer 28 nach oben. Wie auf einer Perlenschnur aufgereit lief alle 20 Meter einer vor sich hin. Jede(r) mit sich selbst beschäftigt und mit der Hitze. Und an den wirklich zahlreichen Verpflegungs- und Wasserstellen kam man kurz zusammen. Auch nahmen wir alle dankend das bereitgestellte Wasser von Anwohnern ob in Eimern, Wasserpistolen oder Schläuchen an. Die Temperaturen gingen bereits auf die 25°C zu...
Km 28 und ganz oben atmete ich dann erstmal durch. Bis ich durch den Ort durch war und mich außerhalb der Schlag traf. Kam jetzt auch noch Wind dazu. Und zwar kein leichtes Lüftchen zum Abkühlen sondern schon gemeiner Gegenwind. Und die Sonne nun von vorne. So ging es wellig durch die Weinberge weiter. Und jede kleine Steigung brachte mich schon fast dazu zu spazieren. 
Endgültig geschafft war ich dann bei 34 Kilometer. Wieder einmal eine heiße breite Landstraße, leicht zäh nach oben und neben dem Kilometerschild stand:" Lauf soweit deine Füße dich tragen". Ab hier kaum noch. Von nun an ging ich jede Steigung langsam an und schaute das ich zumindest in den Flach- oder Bergabpassagen noch laufen konnte. 
Kurz vor Kilometer 38 treffen dann auf die Strecke auch die Halbmarathonläufer die 90 Minuten später gestartet sind. So laufen dann 3:30h Marathonis zusammen mit den 2h Halbmarathonläufern zusammen Richtung Ziel. Oder spazieren. Oder beides. Oder machen von dort an regelmäßig Platz für Krankenwägen die ich nun bedrohlich oft hörte oder an mir vorbeifahren sah. Also doch nochmals langsam machen, auf die Zeit kommt es schließlich nicht an und entspannt, aber glücklich bis ins Ziel.
Das erreichte ich dann auch nach 3:33:41 h glücklich aber erschöpft. Ich war froh als ich was trinken und eine Kleinigkeit essen konnte. Und raus aus der Sonne konnte. Die war an diesem Tag mein größter Gegner. 



Was ich daraus gelernt habe: Hitze und laufen verträgt sich bei mir garnicht. Diese leidvolle Erfahrung musste ich jetzt schon mehrmals machen.
Und außerdem gehört doch eine gewisse Vorbereitung zu jedem Marathon. Auch wenn man mit einem Sturkopf und Ehrgeiz das Ziel erreichen kann.
Immerhin hatte ich am nächsten Tag nur leichte Schmerzen im Knie und keinen Muskelkater. Da ging es mir schonmal schlechter. Trotz der 350 Höhenmeter. Oder deswegen?

Bis dahin:
Marathon Nr. 14 geschafft!

Markus

Kommentare:

  1. Boah Markus,

    unvorbereitet ne 3:33.. verrückt! Aber auch wirklich unvernünftig aber das weißt Du ja. Trotzdem Glückwunsch.

    Gruß
    Anja

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    1. Ja, weiß ich. Aber so unbelehrbar bin ich wohl leider noch ;)

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  2. Ha, aus dem Stand einen Marathon in 3:30....Du bist ein Tiefstapler ;-)
    Ich denke, es ist schon okay, wenn Du ein wenig hast leiden müssen :-)

    Salut

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    1. Ja, leiden war okay. Wenn auch nur kurz ;)

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  3. na das is ja eine klasse zeit für "unvorbereitet" einen marathon zu laufen.

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  4. Hahahahaha, halbgehend eine 3:30iger Zeit, hahahaha, entschuldige, dass ich hysterisch lache, aber ich glaub ich muß mich erstmal ne Runde mit meinem Therapeuten reden :-))))

    Glückwunsch, Du Tier!

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    1. Darfst auch mit mir reden. Mit meinen schweren Beinen - vom Fußboden verlegen - kannst du gerade locker mithalten

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  5. Hallo Markus,
    hahahahaha...
    Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen. :D
    Ein bißchen Leiden muss für so eine Aktion schon drin sein!

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    1. Na gut. So ganz bestreiten kann ich es nicht

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  6. Ich bin mir gerade nicht sicher, ob ich dir gratulieren, oder dich dafür hassen soll... Mal eben so eine Hammer Zeit, quasi ohne Training... Grrrrr....
    Ach, was soll's, GLÜCKWUNSCH!!!

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    1. Danke dir! Dafür laufe ich dann das nächste Mal wieder langsamer mit dir ;)

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  7. Wow! Glückwunsch zum Finish, zu der Hammerzeit und zum Mut, auch ohne viel Training anzutreten. Danke für den schönen Bericht!
    Viele Grüße,
    Claudi

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  8. Dafür, dass Du es nie wieder tun wolltest, hast Du es ja mit einem Bombenzeit geschafft - und das komplett ohne Vorbereitung... sowas sollte verboten sein ;-) hihi Spaß beiseite, Herzlichen Glückwunsch zum Marathon Nr. 14!!
    Liebe Grüße Anna

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  9. Glückwunsch - eine Wahnsinnszeit! Du frustrierst uns Normalos schon ganz schön ... so aus dem Stand und für Dich zu heiß so schnell ... Gut, dass Frauchen nicht für den HM gemeldet hatte, die wäre dann eine von denen, die Du fluchend überholt hättest ;-)

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    1. Nee, nee. Als der HM auf die Marathonstrecke kam bin ich fast nur noch gegangen ;)

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  10. Schön wieder von dir zu hören :)
    Glückwunsch zum finish und für untrainiert eine super Leistung!

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