Donnerstag, 28. Mai 2015

Knackiger Lauf nach der Arbeit

Hallo,

eigentlich sollte man meinen den über 200 Meter hohen Fernsehturm in Stuttgart nicht übersehen zu können. Wenn man allerdings im Wald läuft und sich in dem Gebiet nur bedingt auskennt wird es zum Abenteuer.



Los ging's direkt nach der Arbeit, den Turm immer in Sichtweite und über die Weinberge hinauf auf die Hochebene. Dann ab in den Wald, rauf auf die Trails und zumindest beim Hinweg kannte ich den Weg noch. Nach 7 Kilometer stand ich dann auch davor.

Spannender wurde es zurück. Der gleiche Weg laufen? Niemals.
Also ab in den Wald und auf sehr interessanten und weiterhin welligen Trails lief's einfach weiter. Leider wie bei Hänsel und Gretel immer tiefer in den Wald hinein. Und da ich nur 15 Kilometer laufen wollte und dann doch schon bei Km 13 war fühlte ich mich genötigt die einzigsten zwei Spaziergänger zu fragen wo es denn weiter geht. Immerhin kannten die sich aus.

Also weiter Richtung nächste Ortschaft.
Dort ging es dann tatsächlich auf Serpentinen durch einen Spielplatz hinab. Ich habe keine Ahnung wie Kinder dort spielen sollen. Auf jeden Fall sehr anspruchsvoll.

Von dort hätte ich auch einfach 2 Kilometer gemütlich an der Hauptsraße zum Auto laufen können. Aber links gibt es auch noch einen schönen Weinberg. Also nochmals hoch. Die Oberschenkel zitterten schon, der Puls war am Anschlag und die Kraft dann irgendwann am Ende als diese Steigung nicht Enden wollte. Also doch tatsächlich bei einem Trainingslauf mal den Gehschritt einschlagen. Kam bisher sehr selten vor. Aber gehört dazu.
Nachdem ich dann aber durch die Weinberge wetzen durfte kam ich nach über 17 Kilometer glücklich und erschöpft am Auto an.

Endlich mal wieder n Lauf zum Lunge raus rennen und an die Grenzen zu gehen. Diese mit einigen saftigen Höhenmetern gespickten Gegenden habe ich in den letzten Wochen eher gemieden und versucht zu regenerieren. Aber damit soll jetzt Schluss sein. Im Wald, auf Trails und auf welligen Terrain bin ich einfach zuhause!





37,2 km - 360 HM - 4:46 min/km - Ø HF - - 13 °C - 1451 kcal

Bis dahin:
Let's run again

Markus

Mittwoch, 20. Mai 2015

Alkohol und Sport

Hallo,

nachdem ich bei meinem letzten Lauf, dem Trollinger Halbmarathon, während des Laufens Wein getrunken habe musste ich mich mal schlau machen wie gut oder schlecht die Idee war dies zu tun.

Um es vorweg zu nehmen - es war nicht die Beste Idee, die ich bisher hatte.

Was passiert mit dem Körper wenn er Alkohol in seiner Blutbahn hat und man Sport treibt?

- Dadurch das die Leber damit beschäftigt ist den Alkohol abzubauen können andere Prozesse im Körper nicht durchgeführt werden. So verringert sich z.B. die Fettverbrennung oder Vitalstoffe können vom Körper nicht aufgenommen werden.
So kann selbst der Alkohol vom Vortag die körperliche Leistungsfähigkeit einschränken.

- Alkohol entzieht dem Körper Wasser. Dadurch wird der Abtransport der Schadstoffe in den Muskeln erschwert und Muskelzellen werden nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt.

- Die Koordinations- und Reaktionsfähigkeit nimmt unter Alkoholeinfluss deutlich ab. Auch mehrere Stunden nach dem Alkoholkonsum ist dies noch spürbar. Hierdurch steigt die Gefahr von Sportunfällen.


Und was ist mit einem Drink nach dem Sport?

- Alkohol nach dem Sport kann die Effekte des Trainings zunichte machen. Studien zeigen, dass der Trainingseffekt deutlich geringer ist, wenn nach dem Training Alkohol getrunken wird.
Parallel hierzu errechneten Forscher, dass bereits fünf bis sechs Drinks, die man an einem geselligen Abend schnell mal zu sich nimmt, bereits ausreichen um den Trainingseffekt eines Monats auszuradieren.

- Die Kalorien, die wir durch den Alkohol aufnehmen liefern keine wichtigen Stoffe wie Vitamine oder Spurenelemente. Und es sind nicht gerade wenige Kalorien!
Nur vom Alkohol aufgenommen Kalorien:
0,5 Liter Bier: 133 kcal
0,25 Liter Wein: 154 kcal
1 Schnaps (0,02 Liter): 42 kcal



Laufveranstaltungen mit Alkoholverpfelgung:

- Der berühmteste ist zweifelslos der Mêdoc Marathon in Frankreich. Hier gibt es neben den 22 üblichen Verpflegungsstellen noch 55 Weingüter an der Strecke die teilweise zu ausführlichen Weinproben einladen. Die erste bereits nach 800 Metern. Hier ist weniger interessant wie schnell der erste ist, sondern eher wie betrunken der letzte.

- Deutsche Marathons mit Wein an den Verpflegungsstellen sind zum einen der Trollinger Marathon in Heilbronn, der Marathon in Bad Neuenahr / Ahrweiler und der zweijährig ausgetragene Marathon Deutsche Weinstraße.

- Bierkastenläufe. Diese gibt es bei mehreren Veranstaltungen in Deutschland. Hierbei wird mindestens in einem Zweierteam ein Kastenbier über eine bestimmte Strecke getragen und hierbei alle Flaschen leer getrunken. Gewonnen hat wer als erstes im Ziel ist und dabei kein Bier mehr übrig hat.

- Obstwein Marathon in Reinstädter Grund. Hier gibt es alkoholische Spezialitäten aus dem heimischen Streuobstwiesen.

- Dr. Nielsen Vinterhygge Marathon. Hierbei handelt es sich um den drittgrößten Marathon Dänemarks mit einem Schnapshersteller als Namenssponsor. Also Prost.



Doch warum gibt es diese Veranstaltungen wenn es doch eigentlich schädlich oder leistungsmindernd ist?

Die Teilnehmer dieser Läufe geht es nicht um das gewinnen. Nicht um eine neue Bestzeit. Und auch nicht um die Verausgabung.
Es steht das Erlebnis und der Genuss im Vordergrund. Ganz bewusst wird auf eine bessere Zeit oder Platzierung verzichtet und stattdessen das ein oder andere Schlückchen zu sich genommen. Und solange es sich hierbei um einen trainierten Sportler handelt, der nicht über die Stränge schlägt ist meiner Ansicht nach auch nichts dagegen einzuwenden!


Bis dahin:
Prost!

Markus

Montag, 18. Mai 2015

Mein Trollinger Halbmarathon 2015 - eine flüssige Sache

Hallo,

16. Mai 2010: 10. Trollinger Marathon. Mein erster
17. Mai 2015: 15. Trollinger Marathon. Mein erster Halbmarathon auf dieser Strecke.

Während ich also am Samstag noch in nostalgischen Zeiten vor mich hinlebe und mich immer noch wundere wie ich es damals ins Ziel geschafft habe und in diesen 5 Jahren 14 weitere Marathons hinzu gekommen sind stehe ich dagegen am Sonntag Morgen in Heilbronn und hole meine Startunterlagen ab.
Das verläuft wie immer wunderbar professionell und familiär ab. Dieser Marathon lebt einfach von seinen Helfern und der tollen Stimmung in Heilbronn, um das Stadion und in den zu durchlaufenden Teilorten. Und mit etwa 7.000 Läufern auf der Marathon und Halbmarathonstrecke erhält er auch den Zuspruch, den er verdient.

Trotz alledem bin ich dann vor dem Start ziemlich aufgeregt. Vielleicht sogar mehr als bei meinem ersten Marathon. Dabei wird das doch heute nur ein halber... aber unter welchen Vorzeichen:
- Gerade einmal 3 Wochen ist es her, dass ich in Hamburg einen Marathon gelaufen bin. Und nur 2 Wochen, dass ich auf Gozo eine wundervolle Inselumrundung hingelegt habe.
- Am Samstag kam ich auf die wundervolle Idee zum ersten Mal seit Jahren wieder einmal Fußball spielen zu können. Nach einer Stunde habe ich Muskelkater in den Oberschenkeln wie nach meinem ersten Marathon und einen blauen Zehennagel. Na danke. 
- Bestzeitenambitionen habe ich bekannter massen schon lange nicht mehr. Und selbst wenn. Diese Strecke ist sicherlich nicht dafür geeignet:

Es sind zwar nur rund 140 Höhenmeter, aber die Steigung bis Kilometer 10 hat es in sich und hat schon so manchen in die Knie gezwungen.

Aber genau das wollte ich nicht. Ich wollte Spaß haben. Den Lauf absolut genießen. Bloß nicht stressen sondern die Stimmung aufsaugen, Kinderhände abklatschen und die Verpflegung auskosten. Also die flüssige. Denn es gab Wein. Ja, wo wenn nicht hier in dieser wunderbaren Weinregion. Entsprechend sollte auch alle 5 Kilometer ein Schlückchen angeboten werden.


Der Start verlief für mich wie immer problemlos. Aufgrund meiner bisherigen Zeiten durfte ich vorne starten und musste mich nicht erst durch die 6.000 Läufer und Walker kämpfen. Also am Neckar entlang, eine Wende über den Neckar und zurück durch die schöne Orte / Städte Sontheim, Flein, Talheim, Horkheim und Böckingen sollte es wieder zum Ziel gehen. Dabei war die Strecke wunderbar unterschiedlich. Von ruhigen Feldwegen durch Obstbaumwiesen bis hin zu partymäßigen Ortsdurchlaufungen ist alles dabei. Nur wer wegen den Rebstöcken gekommen ist sollte eher den ganzen Marathon laufen. Diese sieht man nur etwas am Rande beim Halbmarathon.

Während ich also in einem durchaus flotten Tempo, aber ohne abgekämpft zu sein losziehe denke ich an den Tag vor 5 Jahren zurück. Vollkommen ins ungewisse bin ich damals gelaufen. Maximal 18 Kilometer vorab gelaufen. Und das auch nur auf dem Laufband. Und dann der Marathon.
Aber zu heute. Die Kilometer fliegen an mir vorüber. Viele Ecken kommen mir bekannt vor. So auch die Steigung die sich dann plötzlich vor mir aufbaut. Mehrere hundert Meter lang geht es durchaus steil nach oben. Aber soviele Höhenmeter sind es garnicht. Dafür geht es aber auf der anderen Seite gleich noch steiler bergab. Aber nicht bevor der 2. Verpflegungsstand kommt. Also wieder angelaufen, ganz vorne n Becher Wasser getrunken  und dann ganz gezielt ganz nach hinten durchgelaufen. Dorthin wo der Trollinger ausgeschenkt wird. Und wie auch schon bei Km 5 bleibt mit mir niemand da stehen. Warum hetzen die denn alle so? Das ziel läuft uns nicht davon. Und was bringen mir denn die 10 Sekunden die ich da verliere während ich mir ein Glas schnappe den Helfern zuproste und die 0,1 Liter genussvoll auf einen Schluck trinke. Ah, ist das gut.
So fröhlich geht es weiter. Die Kilometer zwischen 10 und 16 sind dann ein Kinderspiel. Ich beschließe dort dann auch mal etwas das Tempo anzuziehen. Vom 4:18 min/km Schnitt steigere ich mich bis ins Ziel dann noch auf einen 4:15 min/km Schnitt. Entsprechend laufe ich auch auf einige Läufer auf und vorbei. Welch gutes Gefühl. Und immer mit einem Lächeln unterwegs. Vollgas ins Glück sozusagen.
Bei Km 16,5 etwa kommt man wieder auf die Marathonstrecke, die einen großen Bogen läuft. Dort sind zu diesem Zeitpunkt allerdings nur vereinzelt Läufer unterwegs. Immerhin sind die, die ich treffe dabei um die 3 Stunden zu laufen!
Bei Kilometer 17 verzichte ich dann gleich ganz auf das Wasser sondern laufe nur den Weinstand an. Dort gab es dann sogar eine Auswahl von Weiß-, Rose- und Rotwein. Ich bleibe beim Trollinger und laufen unter den Klängen von Guggenmusik weiter in Richtung Ziel. 
Nochmals über 2 Brücken die einige Körner kosten, durch eine Stimmungshochburg und vorbei an einem Verpflegungsstand ohne Wein geht es in Richtung Frankenstadion, dem Ziel. Gerne hätte ich hierher zwei Becher Wein mitgenommen um mit meiner besseren Hälfte anzustoßen. Darauf musste ich dann eben bis wir zuhause waren warten.

Im Zielbereich war dann richtig Stimmung. Schon vor dem Stadion stehen die Zuschauer mehrreihig und sobald man auf die blaue Bahn kommt wird es laut. Noch eine Kurve und dann glücklich ab ins Ziel.
Doch in diesem Moment sprintet einer an mir vorbei. Im ersten Moment denke ich mir "so warst du auch mal, lass ihn laufen" doch dann packt mich der Ehrgeiz. Also Sprintmodus ein und an ihm vorbei. Doch das lässt er sich nicht bieten und so fliegen wir die letzen 30 Meter im Gleichschritt ins Ziel. Und wie man sehen kann hatte ich immer noch mein Lächeln. Und das sicherlich nicht weil ich zuviel Wein getrunken hatte ;-)

Im Ziel kurz meine Medaille abehiolt, etwas getrunken und geduscht und heim gehts. Daheim sehe ich dann meine Zielzeit: 1:29:11 h. ich war zwar schon einmal schneller, aber noch nie so entspannt!
Mit dieser Zeit war ich eine Sekunde schneller als mein Mitsprinter und auf Platz 122.  Und immerhin 23. meiner Altersklasse.

Den Trollinger (Halb) Marathon kann ich jedem rundum empfehlen. Eine perfekte Kombination zwischen Landschafts- und Stadtlauf. Mit Stimmung und Natur. Mit Wein, Wasser, Iso und wohl auch was zu essen unterwegs. Mit viel Flair und vielen und freundlichen Helfern. Und vielleicht auch bald wieder mit mir. Oder warte ich wieder 5 Jahre?!

Bis dahin:
Jetzt erstmal Wettkampfpause

Markus

Samstag, 9. Mai 2015

Hellfire Gozo 55k Ultra Trail! Ein Trailabenteuer!

Hallo,

mein Traum wurde wahr.  Ich bin den Hellfire 55k Trail auf Gozo gelaufen.  Und habe ihn gefinisht.

Aber von Anfang an.
Die Anreise auf Malta, bzw.  die Schwesterinsel Gozo,  verlief problemlos. Erstmal wieder ein wenig die Insel kennen lernen stand an den ersten Tagen auf dem Programm bevor es dann Samstags endlich auf die Strecke ging.
Die Aufregung stieg von Tag zu Tag.  Der Rucksack wurde mit 1,5 Liter Wasser und einigen Riegeln bestückt,  die Klamotten vorbereitet und auch auf Sonnenschutz in Form von Sonnnencreme,  Mütze und Sonnenbrille geachtet.  Die Bedingungen waren nämlich einfach nur heiß.  Locker 25 Grad Celsius im Schatten.  Aber wo hat man den  schon entlang der Küste wenn dort maximal etwas bis zum Knie wächst.  Dazu selbstverständlich noch eine ordentliche Ladung Wind.
Der Respekt war also gross und die Nacht vor dem Lauf unruhig.  Aber um 6 Uhr musste ich sowie raus aus den Federn.  Nach etwas Marmeladenbrot und dem Versprechen gesund wieder zu kommen fuhr ich im Linksverkehr Maltas zum Start.
Dort war erstmal nichts los.  Wirklich viele Teilnehmer hatte ich auch bei diesem relativ unbekanntem Lauf auch nicht erwartet.  Aber nach und nach füllte sich der Marktplatz etwas.  Doch bevor dann endlich los gehen sollte gab es noch ein Briefing von der Rennleitung.  Telefonnummern der Sanitäter sind einzuspeichern, kein Müll liegen zu lassen,  es gibt 4 Checkpoints mit Essen und Trinken und der Weg ist gut markiert mit roten Punkten oder Pfeilen oder Absperrband welches nach dem Lauf wieder entfernt wird.  Das Zeitlimit sind 10 Stunden für uns und 7 Stunden für die Läufer der Halbmarathondistanz.  Und zum Schluss noch die Nachricht,  dass die Strecke wegen Bauarbeiten statt 55 Kilometer "nur" 52 Kilometer lang sein wird.






Wegmarkierungen

Um 8 Uhr sollte es dann losgehen.  Aber das hier war der erste Lauf wo zur Startzeit noch keiner im Startbereich stand.  Kurz nach 8 Uhr gingen dann erstmal etwa 10 Mountainbiker auf die Strecke.  Jedoch extra nicht als Race sondern als Challenge ausgeschrieben.
Kurz danach durften wir endlich ran.  37 Läufer gingen auf die Strecke.
Zuerst ging es durch einem kleinen Park und dann über eine von der Polizei abgesperrte Straße. Und dann hatten wir auch schon das Meer in Sichtweite.  Kein Wunder auf einer Insel auf der man von jedem Punkt aus nur maximal 7 Kilometer bis zum Meer fährt. 




 Bis zu diesem Zeitpunkt lief ich einfach im Feld mit.  Denn eine Zielzeit oder gar Platzierung war absolut nicht geplant.  Nur ankommen war das Ziel! 

Bevor wir jedoch die ersten Höhenmeter hinunter zum Meer liefen machte ich ein paar Plätze gut und lief um Platz 10 mit,  so dass ich frei laufen konnte. 
Der Trail der nun folgte war steinig und wundervoll zu laufen.  Auch wenn es zeitweise steil nach unten ging passte alles. Man ließ es einfach gemütlich laufen.  Auch die folgenden Kilometer verliefen wundervoll am Meer.  Immer leicht wellig aber nicht steil.  Die Küste ließ uns ein ums andere Mal den Atem stocken. Das Paradies auf Erden.  Und neben der Küste die schönsten Trails,  die ich kenne! Und zwar mitten im Grünen.  Zwischen wildem Thymian und Orchideen,  Disteln,  Steinplatten,  Salinenfelder und jede Menge unbekannter Pflanzen ging es hindurch.  Ab und an kreuzte eine Eidechse oder Gekko unseren Weg.  Einfach zum Genießen. 
Nach 8 Kilometer dann auch schon der erste Checkpoint mit Verpflegung.  Zwar etwas spärlich ausgestattet mit Wasser,  auch zum Nachfüllen der eigenen Getränke,  Iso,  etwas salzigen Gebäck,  Keksen, Bananen,  Orangen und Salz.  Aber ausreichend. Und sehr liebevoll betreut von einer Pfadfindergruppe. Wie die 3 anderen Checkpoints auch.







 
























Aber es musste ja weiter gehen.  Wieder raus aus der kleinen Ortschaft und rauf auf den nächsten Trail.  Aber wo ist hier die Markierung? Sonst ist die doch ständig zu sehen.  Auch die Einheimischen,  die ich fragte,  wussten keine Antwort.  Wie auch der Läufer hinter mir,  der mir entgegen kommt als ich wendete.  An der letzten Kreuzung mit Markierung stoßen nochmals 2 Läufer zu uns.  Und kurz darauf nochmal 2 aus unserer Richtung.  Jetzt konnte es nur noch in eine Richtung weiter gehen. Und siehe da,  5 Meter weiter im Gestrüpp lag ein Stück Absperrband welches entfernt wurde.  Schnell für die nachfolgenden wieder befestigt und weiter gings.  

Immer in Steinwurfreichweite zum Meer... Teilweise sogar runter von den Klippen und direkt ans Meer.  Irgendwie müssen die 1500 Höhenmeter zu Stande kommen.  
Kurze Zeit später,  wir erreichten Xlendi,  eine wunderschöne Stadt am Mittelmeer war mir auch klar wie.  Nach Durchlaufen der Bucht und des Hafens ging es erstmal einige Treppen hinauf.  Aber auf der anderen Seite wieder runter?  Nein,  da ist ein verschlossenen Tor.  Und als wie einen Pfad lang wollten,  der aussah wie ein Weg pfiff man uns von unten zu und zeigte steil nach oben. Wir sollten klettern.  In den Alpen hätte es an einer solchen Stelle Seile zur Sicherung gegeben.  Aber dieser Weg war ja nur für uns.  Und tatsächlich.  Nach einigen Höhenmeter auch wieder Wegmarkierungen.  Oben angekommen war ich zwar erstmal völlig fertig aber auch geflasht.  Wow,  welch ein Weg und Ausblick.  Und hier gab es tatsächlich wieder einen vernünftigen Trail. 
Diese,  wie auch später ähnlich spektakuläre Wegabschnitte mussten die Mountainbiker nicht zurück legen.  Diese umfuhren diese Abschnitte.





Erster Blick hinab




Weiter hinauf geht es

Da unten waren wir gerade eben noch

Weiter ging der Trial entlang der Küste nach Osten. Und nach einer weiteren Kurve konnten wir zum ersten Mal das Ostenende der Insel entdecken. Dort in der Ferne liegt das Azure Window, ein durch Wind und Wasser geschliffenes Tor zum Meer. Immer näher kommen wir dieses Tor und als wir dann da sind ist dort auch noch die 2. Verpflegungsstelle eingerichtet. Schon 19 Kilometer sind geschafft. Aber auch schon fast 2 Stunden unterwegs. Das wird ein langer Tag.
Von nun an wird es auch etwas windiger. Am Anfang sogar mit einem ziemlich angenehmen Rückenwind. So lässt es sich laufen. Die Kilometer bis zum 30. verlaufen einwandfrei. Die Beine werden zwar schwerer und die Kräfte schwinden etwas, aber durch rechtzeitig essen und vor allem viel trinken kann ich das kompensieren. Schön ist es auch, dass ich mir bei dem letzten Verpflegungsstand Wasser am Rücken verteilt habe. Das kühlt jetzt ungemein und trocknet ganz langsam.









Bei Kilometer 30 beginnen dann die Salinenfelder von Marsalforn. Beindruckend wie hier noch Salz gewonnen wird. Aber auch die Weg über diese Steinplatten sind wunderschön. Dann geht es leider aber auch ein wenig auf einem Fahrweg weiter. Aber nur etwa einen Kilometer. Hier ist dann der dritte Verpflegungstand. Der ist auch dringend notwendig. Neben Essen und Trinken brauchen wir Teilnehmer auch ein wenig Aufmunterung und gute Worte untereinander. Denn schon längere Zeit war ich fast alleine unterwegs. Ich komme ins Gespräch mit einem Spanier. Er kennt wie ich den folgenden Abschnitt und weiß um die Schwierigkeiten. Ich laufe etwas vor ihm los und meine noch bis nachher. Bis zum Ziel sollte ich ihn jedoch nicht mehr sehen.





Fotograf: Ralf Garner

Nachdem wir durch Marsalforn, einer ziemlich touristischen Stadt direkt am Meer gelaufen sind, geht es wieder bergan. Wer den Start gerade erst hatte kann diese Steigung bestimmt laufen. Bei mir jedoch sind die Akkus, nach nunmehr über 3:30 Uhr fast leer. Ich falle zum ersten Mal in den Gehschritt. Und leider verlasse ich ihn auch kaum noch. Denn der Weg ist zwar wunderschön der jetzt kommt, aber auch extrem buschig, verwildert und sehr steil am Abgrund zum Meer.






Wo bitte ist hier der Weg?


Nachdem es so einige Kilometer ging geht es wieder runter ans Meer. Auf mehr oder weniger großen Steinen sollen wir weiterlaufen. Oder besser gehen. Die Gefahr einer Verletzung war für mich zu groß. Nachdem es wieder einmal nach oben in die verwilderte Gegen geht kann ich ihn jedoch sehen. Den wunderschönen Sandstrand von Ramla Bay. Immer näher kommen wir heran bis wir schließlich direkt auf ihm sind und diesem überlaufen müssen. Aber auf Sand laufen, auf dem man bis zum Knöcheln einsinkt? Schwer, dann lieber direkt am Wasser und durch dieses. Inklusive Fusswäsche und Sand in den Schuhen. Egal, Hauptsache wieder laufen. Aber eben nur einige hundert Meter bis wir auf der anderen Seite des Strandes sind.

















Dann kommt ein Abschnitt den ich am liebsten vergessen hätte und er mich völlig fertig macht. Wieder einmal geht es unter fast unmöglichen, aber eben auch geilen, Verhältnissen bergan. Ich bleibe zwischendrin stehen und bin richtig fertig. Am liebsten hätte ich mich hingesetzt und wäre keinen Schritt mehr gegangen. Mein Herz rast, meine Beine brennen und mein Kopf ist einfach nur leer. 38 Kilometer sind geschafft. 4:30 Stunden bin ich unterwegs. Und ich bin kurz vor dem Aufgeben. 
Aber nein! Nicht jetzt. Ich habe noch 5:30 Stunden Zeit um 14 Kilometer zu schaffen. Oder sind es doch mehr oder weniger. Wie genau ist meine Uhr unter diesen Bedingungen? Egal, ich schaffe das. Irgendwie. Hauptsache ins Ziel. 
Für die nächsten Kilometer ist mein Gedächtnis fast geleert. Ich weiß, dass ich ein paar Läufer des Halbmarathons überhole. Aber ich gehe einfach schneller als die.Und die Berge hinab laufe ich. Die Pace ist in diesem Abschnitt wie ich später sehe bei etwa 9 min/km. Wie gesagt, ich will ins Ziel!



So kann man den Tag auch verbringen

Langsam, aber sicher nähern wir uns nun auch dem Westende der Insel. Auch hier kenne ich wieder einige Trials. Ich begebe mich wieder in den Laufschritt. 

An einer Bucht dann der letzte Verpflegungsstand. Ich drehe mich mal um, schaue mir die letzten 2 Kilometer an und entdecke nirgends einen Läufer. Bin ich wirklich so alleine unterwegs? Wie weit ist der nächste vor mir? Lieber nicht fragen. Ankommen ist das Ziel. Allerdings erhasche ich einen Blick auf die Liste auf der jeder Läufer abgehakt wird der vorbeikommt. Und da staune ich. So wenige bisher da gewesen? Und ja, man bestätigt mir ist sei der Siebte. Wie bitte? Und ich komme mir langsam vor. Das tut dem Selbstvertrauen richtig gut. Also weiter. Allerdings konnte mir auch hier keiner sagen wie weit es noch ist. Ich hoffe das meine Uhr stimmt und nehme die mutmaßlich letzten 11 Kilometer in Angriff.




Aufmunterung …

.. bevor so eine Steigung kommt

Und wie geht es weiter? Natürlich hügelig, aber durchaus zu laufen. Allerdings laufe ich die Steigungen nicht mehr. Kraft sparen ist die Devise. Nichtsdestotrotz wird die Pace etwas schneller. In Richtung 7 min/km. Immerhin. Bis zum Kilometer 46. Ich will's wissen. Auf einem staubigen Fahrweg geht es bergab zu einem Steinbruch. Ich lasse es laufen. Mit unter 5 min/km wird dieser Kilometer der schnellste insgesamt werden. 
Allerdings sind die zwei folgenden Kilometer nun wieder von Kletterpassagen und tollen Aussichten geprägt so dass diese deutlich zweistellig werden. Egal. Denn ich kann schon Malta sehen. Damit ist der Hafen und damit auch das Ziel nicht all zuweit. 
Nochmals überhole ich 4 Halbmarathonläufer. Und kann sogar auf deutsch grüßen. Und endlich mal wieder ein paar Worte sprechen. Bis hierhin habe ich sehr viele Selbstgespräche geführt. Und dabei nicht immer nett zu mir gewesen. 
Dann noch 2 Mountainbiker vor mir. Die schnappe ich mir auch noch. Aber das ist auch nicht so schwer, wenn diese alle hundert Meter absteigen müssen und schieben. 












Nach einer Kurve dann der Blick auf den Hafen. Und oben drüber eine Kirche. Dort ist unser Ziel. YEAH! Endorphine jagen durch meinen Körper. Ab in den Hafen.
Aber auch dort geht es dann nicht auf Fahrwegen hinauf in die Stadt, sondern durch Büsche. Wahnsinn, was die Veranstalter alles ausgegraben haben an Wegen. Egal, auch dieser Abschnitt wird gemeistert und dann geht es wirklich noch einige hundert Meter durch die Stadt. Auch hier, wie auf der kompletten Inselumrundung nur ungläubige Blicke. Keiner versteht was ich hier mache. Das Rennen ist nirgends ausgeschrieben. Zuschauer äußerst Mangelware und vielleicht macht genau das den Reiz dieses einzigartigen Laufes aus.
Solche Gedanken schießen mir durch den Kopf als ich in den Häuserschluchten verzweifelt die große Kirche suche und nicht finden kann. Habe ich mich verlaufen? 
Nein, wieder eine Kurve und da ist sie. Von weitem höre ich Schreie. Hey, die meinen mich! Eine Linkskurve noch und da ist der Zielbogen. Ein unbeschreibliches Gefühl!




Fotograf: Hellfire Events
Im Ziel!

Im Ziel lasse ich mich erstmal im Schatten nieder. Keine Schritt will ich mehr gehen. Eine Flasche Wasser und ein paar Worte später kommen dann auch die nächsten Radfahrer und Läufer ins Ziel. In diese intime und sehr verschworene Ziel. Eine wunderbare Atmosphäre umgibt diesen Ort. Jeder weiß was geleistet wurde. 

Ich selbst war nach fast 6.40 Stunden im Ziel. Und damit nur gut eine Stunde hinter dem Sieger. Vor und hinter mir war fast 15 Minuten kein Läufer. So sieht Einsamkeit aus.
Der Spanier kommt schließlich eine Stunde nach mir ins Ziel.
Das alles erfahre ich allerdings erst abends. Denn ich will erstmal zu meiner Familie. Den ganzen Tag habe ich diese noch nicht gesehen. Nur ein kurzes Telefonat 3 Kilometer vor dem Ziel geführt. Also ein Zielbeutel schnappen und nochmals was zu trinken und irgendwie wieder im Linksverkehr zurecht finden. 
Nach einer kühlen Dusche und etwas zu essen fühle ich mich auch schon wieder richtig gut. Und ich freue mich auf den Abend. Dort ist nämlich ein gemeinsames Abendessen aller Teilnehmer. Und auch die Familien dürfen teilnehmen wenn die Preise verteilt werden und man die Erlebnisse des Tages teilt. Bei Pasta und Wein lassen wir diesen verrückten Tag ausklingen und sind uns einig: Das sind die härtesten aber auch schönsten Trials die wir jemals laufen durften! 

Damit sollte wohl auch jedem klar sein: Ich empfehle diesen Lauf absolut weiter! So intim, anstrengend, wunderschön und liebevoll organisiert gibt es sonst nichts zweites! 
Dieser Lauf wird auch ohne Medaille oder Preis für mich immer in Erinnerung bleiben und zukünftig muss sich jeder Lauf hiermit messen lassen!

Sollte es Fragen zu diesem Lauf geben oder jemand Infos zur Insel, Anreise, etc. benötigen stehe ich gern zur Verfügung. Denn die 5. Auflage dieses Laufes startet bereits nächstes Jahr. Dann zwar ohne mich, aber vielleicht ja mit dir!

Hier noch die Strecke mit den 1500 Höhenmetern:


Bis dahin:
Ich bin immer noch geflasht!

Markus