Montag, 30. September 2013

Mein Berlin Marathon 2013

Hallo,

nachdem ich gestern am 40. Berlin Marathon teilgenommen habe möchte ich heute darüber berichten. Bilder der Veranstaltung, etc. werden dann im nächsten Bericht folgen.

Am Samstag sind wir angereist und nach einem kurzen, aber intensiven Stadtbummel mit Besichtigung des Start- und Zielbereichs ging es dann zur Abholung der Startunterlagen am Flughafen Tempelhof. Dort war sprichwörtlich die Hölle los. Aber irgendwie müssen 40.000 Läufer ihre Startnummer ja auch abholen.
Es gab unzählige Aussteller auf der Marathonmesse. Angefangen bei Laufausrüstern, über diverse Marathonveranstaltungen, Pharmaunternehmen bis hin zu welchen die Augenlasern und Honig angeboten haben. Und da musste man auch komplett durchlaufen, denn die Abholung der wichtigen Unterlagen war ganz am Ende angeordnet. Dort gab es dann den Startsack, die Startnummer, der Chip wurde gescannt und man bekam ein blaues Armband mit dem man Einlass in den Startbereich bekommen sollte.
Da ich meine Startnummer bei Enzymkraft gewonnen habe ging ich danach noch an deren Stand vorbei und wurde dort sogar verpflegt. Leckere Snack, Getränke und noch ein Läufershirt gab es für mich.
Zum Abschluss des Tages von eine doppelte Portion Pasta und ab gings ins Bett.

Nach einer sehr ruhigen und erholsamen Nacht und einem guten Frühstück ging es dann gegen 7h für mich am Sonntagmorgen schon Richtung Start. Und es waren, knapp 2h vor dem Start schon einige andere Läufer unterwegs. Am Start kam ich dann gegen 7:40h an und musste dort erstmal das Zelt suchen an dem ich mein Kleiderbeutel abgeben konnte. Es war nämlich nichts ausgeschildert.
Anschließend wollte ich noch eine Toilette aufsuchen, aber obwohl es wohl dutzende Dixi-Toiletten gab war es deutlich zu wenig. Es bildeten sich Schlangen von über 100 Läufern… Also wurden wir Männer an den Büschen akzeptiert ;)
Vom Startbereich bis in meinen Startbereich war es dann noch etwa 1km. Diesen lief ich dann mit den vielen, vielen Teilnehmern an. Pünktlich zum Start der Rollstuhlfahrer und Handbiker bin ich eingetroffen und durfte schon mal die Stimmung genießen. Dann ab in meinen Startbereich D (Zielzeit 3:00 – 3:15h) und schon kurz darauf ertönte unter tosendem Applaus der Startschuss.

Los ging es die ersten 2,5km dichtgedrängt auf der Str. des 17. Juni. Vorbei an der Siegessäule und durch den riesigen Kreisverkehr. Und schon dort herrschte eine Atmosphäre… unbeschreiblich. Die Zuschauer kamen auch von überall her. Zwar hörte man während des gesamten Laufs sehr viele dänische Anfeuerungen (es waren über 6.000 Dänen am Start), aber auch Anfeuerungen für die Italiener, Schweden, Finnen, Briten, Amerikaner, Mexikaner, Japaner, …. gab es. Insgesamt waren deutlich über 100 Nationen am Start.
Die erste Kurve gab es dann am Erst-Reuter-Platz. Dort warte dann auch meine Frau und die bekam erstmal ein Kuss von mir :-) Dieses Stehenbleiben gönnte ich mir gerne.
Weiter ging es dann, ganz leicht ansteigend und mit Sonne in den Augen, die nächsten 4km zurück Richtung Reichstag. Dort war dann eine weitere Stimmungshochburg. Diese zog sich dann aber die nächsten 2-3km hin. Dort liefen wir vorbei am Friedrichbaupalast und langsam aber sicher zum Alexanderplatz.
Ein Blick auf meine Uhr zeigte erstaunliches. Ich war sehr schnell unterwegs, wahrscheinlich zu schnell. Sollte ich diese Zeit durchstehen käme eine Zielzeit von 2:50-2:55h dabei heraus. Aber langsam Laufen ging fast nicht, so sehr wurde man angepeitscht. Und ich fühlte mich auch richtig gut!
Bei Km 11 kamen wir dann am Alex vorbei und von dort ging es Richtung Süden und Kreuzberg. Zwar gab es immer wieder einmal ein paar hundert Meter mit wenigern Zuschauern oder keiner der vielen Bands, aber diese Ruhe tat dann auch gut.
Bei Km 15, nach einer 1h Laufzeit, aß ich dann auch zum ersten Mal. Im Angebot waren Bananen und Äpfel. Zu trinken gab es dazu Wasser, Tee und Powerrade. Also ausreichend. Außerdem waren die Stationen sehr lange, man musste also nicht gleich den ersten Tisch anlaufen, sondern hatte ca. 20 Biertische lange Zeit etwas zu trinken zu bekommen. Und wer einen Schwamm dabei hatte (gab es im Startsack) konnte sich damit dann auch erfrischen.
Dort bei Km 15 traf ich dann auch zum zweiten Mal meine bessere Hälfte und verabschiedete mich dann für die nächsten 23km von ihr. Erst am Potsdamer Platz sollten wir uns wiedersehen.
Der Lauf durch Kreuzberg und Neukölln bis zur Halbmarathonmarke war dann auch wunderschön. Selbst an Gegenden, die einem eher heruntergekommen vorkamen, waren so viele Zuschauer an der Strecke das man es nicht wahrhaben wollte. Das Highlight erlebte ich dann etwa bei Km 19. Dort fühlte ich mich dann wieder einer der Radstarts die sich bei der Tour de France einen Berg hochquälen und die Zuschauer im Spalier stehen. Fast genauso enge wurde es hier. Mich hat das eher wenig gestört :-)
Die Halbmarathonmarke erreichte ich dann nach 1:27h. Allerdings merkte ich schon dort, dass ich etwas langsamer wurde. Die Kilometerzeiten von unter 4:10 min/km konnte ich nicht mehr halten und lief mit 4:15 – 4-20 min/km weiter. So ging das dann etwas bis Km 27. Dort wurden wir zusätzlich zu den vielen Verpflegungsstellen von noch Powerrade mit Gels und Riegel versorgt. Da meine Kräfte stark nachließen und ich schon einige Kilometer ein ziehen im rechten Knie hatte nach ich ein solches Gel zu mir obwohl ich nicht wusste ob ich es vertragen würde. Schon einen Km weiter ging es mir besser, aber das lag an den Zuschauern am Wilden Eber. Dort standen die Zuschauer 5reihig und feuerten nach 2/3 der Strecke jeden Läufer an! Wahnsinn!
Die nächsten Km in Richtung Kürfürstendamm wurden dann leider auch langsamer (ca. 4:35 min/km). So war es dann bei Km 31 auch soweit und die 3h Zugläufer überholten mich mit einigen Mitläufern. Leider konnte ich nicht folgen, den zu den in der Zwischenzeit starken Knieschmerzen hatten sich Oberschenkel- und Wadenkrämpfe gemischt. Aber ich wollte durchhalten und kämpfte für jeden Kilometer.
Bei Km 36 hatte sich Erdinger dann etwas besonderes einfallen lassen. Eine Motivationswand. Dort wurden beim Überlaufen der Zeitmessmatte Sprüche ausgegeben die Angehörige oder Freunde vorab im Internet eingegeben hatten. Der Spruch meiner Frau gefiel dem Moderator dort so gut, dass es ihn gleich vorgelesen hat: „Markus, dein nächster Run geht in den Kreissaal“. Das zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen den für mich waren es noch 2km bis zum nächsten Treffen mit meiner Frau. Bis dahin wollte ich unbedingt durchhalten. Und am Potsdamer Platz sah ich sie dann auch und bekam nochmals einen Kuss.
Leider versagten dann aber meine Beine. Wäre ich einfach mit 5 min/km weitergelaufen wäre es eine neue Bestzeit geworden, aber mir war meine Gesundheit wichtiger und so ging ich einige hundert Meter. Und dann kamen die Zuschauer. Dutzende lasen dann meinen Namen auf der Startnummer und schrien und feuerten mich an. So musste ich irgendwann nochmals loslaufen. Vorbei ging es dann bei Km 40 an Gendarmenmarkt und dann in Richtung Brandenburger Tor. Um jedoch für die letzten Hundert Meter fit zu sein ging ich dann nochmals.
Dann die letzte Kurve. Vor mir blauer Himmel, Sonnenschein und das Brandenburger Tor. Ich nahm meine Füße in die Hände und lief los. Nicht schnell sondern mit puren Genuss. Schon beim Durchlaufen des Tors riss ich die Arme nach oben. 400m vor dem Ziel. Ich hört überall nur Zuschauer, sah das Ziel, bekam Gänsehaut und lief. Ich war noch nie bei einem Zieldurchlauf zu emotional! Es war wunderschön!

Ergebnis: 3:10:15h
Platz 2633 und Platz 300 in meiner Altersklasse

Im Ziel waren dann erstmal viele Mediziner und Helfer, die jeden Läufer musterten. Ein paar Schritte weiter gab es dann wunderschöne Medaillen und eine Wärmefolie.
Und dann endlich etwas zu trinken und zu essen. Dort verpflegte ich mich erstmal ausgiebig! Dann bekam man noch eine Tüte mit Wasser, Salzstangen, Müsliriegel und Schokocrossaint in die Hand gedrückt und war schon im Start- und Zielbereich.
Da ich wusste das noch eine lange Heimfahrt vor mir stand holte ich meine Klamotten ab und suchte die Duschen. Den ausgeschildert war auf der Wiese vor dem Reichstag immer noch nichts.
Die Duschen und Umkleidemöglichkeiten waren dann wie die Toiletten deutlich unterdimensioniert.

Dann ging es zurück durch die Menschenmassen zu meiner Frau und dem Auto und die ganze 7stündige Heimfahrt schwärmte ich von dem Marathon :-)


Kurzbewertung:

Strecke:
Hauptsächlich flach, aber windanfällig. Lange Geraden, keine langsamen Kurven, absolut Bestzeitentauglich!

Organisation:
Verbesserungswürdig. Bessere Beschilderung, mehr Toiletten und Duschen notwendig, Marathonmesse die Wege bis zur Startnummer zu lang

Verpflegung:
Sehr gut. Viele Helfer an den Ständen die einem auch das Trinken und Essen reichen. Im Ziel hätte es noch mehr Essen sein dürfen

Stimmung:
Unbeschreiblich!


Bis dahin:
Jeder muss mal in Berlin gelaufen sein! Auch du!

Markus

Kommentare:

  1. Wow, das klingt wirklich toll. Da bin ich schon wieder etwas gerührt. Und vor allem das mit deiner Frau ist so süß. Also dann viel Erfolg bei deinem nächsten Run - in den Kreissaal. :-P

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  2. Ich liebe dich und bin sehr stolz auf dich!

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  3. Ich kann mich Deinem Bericht nur anschließen - ich war am hinteren Ende vom Feld unterwegs und auch da gab es an den Verpflegungsstationen noch genug Getränke, Essen etc. In Hamburg dieses Jahr war das deutlich bescheidener organisiert - da ist das letzte Drittel vom Feld essenstechnisch leer ausgegangen.

    Und natürlich noch herzlichen Glückwunsch!!!

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  4. Nochmal herzlichen Glückwunsch :-) Die Idee mit den Sprüchen find ich echt klasse,als Pessimist frag ich mich aber,ob da auch jemand leer ausging.
    Dafür,dass du wie du selbst sagst,zu wenig Vorbereitung hast,ist es doch super gelaufen =) Du warst 20 Minuten schneller,als dein selbst gestecktes Ziel,echt klasse!
    Ich hoffe du hast jetzt noch ein wenig Zeit um dich auf deinen nächsten Run vorzubereiten :-D und wünsche euch beiden dafür alles erdenklich Gute!

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    1. In der Tat ist es so das nur 5.000 Läufer die Möglichkeit hatten einen solchen Motivationsspruch zu erhalten. Dort galt ebenso, wer zuerst kommt hat Glück.

      Vielen Dank für deine Glückwünsche.

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  5. Ein wirklich lebendiger Bericht! Ich kenne zwar Berlin nicht, aber durch deine tollen Beschreibungen konnte ich mich richtig gut in das Rennen versetzten. Ich hab am Sonntag natürlich auch einen Teil davon im TV mitverfolgt und dir natürlich die Daumen gedrückt!
    Das Jubeln der Zuschauer treibt die Läufer immer noch ein Stückchen weiter, das ist wirklich Gänsehaut pur.
    Deine Frau hatte wirklich eine super Idee mit ihren Spruch, so etwas gibt einem plötzlich soviel mehr Kraft im Marathon - eine tolle Unterstützung hast du da gehabt :-)
    Ich gratuliere dir nochmal gaaaaaaanz herzlich zu deinem großen Erfolg - das nächste große Ereignis wartet ja auch schon auf dich :-)

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    1. Vielen Dank :-)

      Und n Tipp: Besuche Berlin, muss ja nicht gleich der Marathon sein ;)

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  6. Klasse Zeit und das trotz der ganzen Beschwerden! Aber nun hast du Zeit dich zu erholen nicht das du vor dem Kreissaal zusammenbrichst! :-)

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  7. Hallo Markus
    Vielen Dank für den stimmungsvollen Laufbericht aus Berlin und herzliche Gratulation zu der Beinahe-Bestzeit! Welch eine Leistung nach der spontanen Kurz-Vorbereitung!
    Erhole dich gut!
    Dir und deiner Frau einen guten Start ins Familienleben.
    Gruss
    Marianne

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  8. Beim Lesen bin ich nochmal mitgelaufen und hab auch die Arme im Ziel hochgerissen (als 7112.) Es war ein herrlicher Tag, insbesondere dann auch das Relaxen danach auf der Wiese vorm Reichstag. Auch beim Powerrade-Stand kleben geblieben?

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    1. Als ich beim Powerrade-Abschnitt war klebte da noch nix ;) Bis zu dem Zeitpunkt, Km26, lief es ja echt gut bei mir. Langsam und überholt von der Masse wurde ich dann erst danach.

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  9. Hach toller Bericht. An den Tag denkt man doch gern zurueck.

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  10. Cool, ich habe den Bericht gefunden. Schön erzählt, ich laufe schon mal vor.
    BTW das will ich aber hoffen das sie jetzt bei 40.000 Anmeldungen die Ausschilderungen besser im Griff haben.
    Und ehrlich gesagt grault mir vor der ellenlangen Lauferei schon vor dem lauf , net Wartezeiten...im letzten Block.
    Noch Tipps für mich?

    LG von Birki

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    1. Tipps? Einen ganz einfachen: Genießen! Man weiß nie ob man nochmals da laufen darf. Und er ist es wert!

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