Montag, 3. Juni 2019

Mein nicht perfekter Hochkönigman

Hallo,

am langen Wochenende ging es für mich nach Maria Alm, ins wunderschöne Österreich. Dort sollte am Samstag der Hochkönigman stattfinden. 88 km auf der Orginalstrecke die aufgrund zu viel Schnees und Lawinengefahr auf 85 km gekürzt wurden und 5000 HM.
Donnerstag und Freitag verbrachte ich mit meiner Familie beim Wandern. Klar, Beine schonen wäre auch gut gewesen, aber nur rumsitzen kann ich einfach nicht. Und an schlafen war am Freitag tagsüber irgendwie auch nicht zu denken, auch wenn der Start um Mitternacht sein sollte. Erst abends schaffte ich es dann noch für 90 Minuten zu schlafen.
So stand ich dann um kurz vor Mitternacht nach einem Briefing und der Ausrüstungskontrolle am Start und hoffte das beste. Schließlich sollte das hier mein Jahreshighlight werden.
Und los gings durch die Nacht mit knapp 200 anderen. Die ersten 2 Kilometer benötigte ich meine eigene Stirnlampe nicht einmal da um die Läufer um mich herum alles gut ausleuchteten. Und wir den ersten Anstieg sowieso nicht im Sprint hochrannten.
So ging es bis Km 9 so viel bergan. Durch den vielen Regen die Tage zuvor auch ziemlich schlammig und auf Wurzeln sehr rutschig. Einmal rutschte ich aus und stieß mein Fuß unangenehm an einer spitzen Wurzel. Aber nach 2 km spürte ich nichts mehr. Wo man laufen konnte wurde gelaufen - ansonsten eben schnell gegangen. Meist schon mit Stockeinsatz.
Eben nach diesen 9 km war ich schon gut geschafft aber eigentlich noch gut drauf. Dort teilte sich die Strecke auch. Durch die Streckenänderung sollten wir diesen Abschnitt später ein zweites Mal laufen. Aber erst ging es nun auf der 23km Runde wieder Richtung Ziel. Und das hieß Downhill. Ziemlich massiv. Unter anderem 240 negative Höhenmeter auf einem Kilometer. Das ging in die Oberschenkel. Dann etwas wellig und gut laufbar weiter bevor der nächste große Anstieg auf uns wartete. Nach einigen steilen Kilometer durch den Wald ging es dann durch ein Flussbett bergan. Weicher Schotter in dem man einsank, große Steine auf denen man rutschte und 120 HM auf dem Km machten mich fertig. Endlich oben brauchte ich erstmal auch auf dem Flach- und Bergabstück weiterhin eine Gehpause.
Und dann lief ich einfach. Erst einen Forstweg bergab und dann einen Trail nach dem anderen. 5 km, meist bergab und sammelte dabei Läufer ein. Ich fühlte mich plötzlich prächtig und freute mich richtig auf den Lauf.
Im Zielbereich dann bei Km 23 habe ich dann meine Trinkflaschen gefüllt und etwas gegessen. Und mit 3 gelaufenen Stunden auch meinen innerlichen Zeitplan voll eingehalten.
Und nun sollte es eben wieder die gleichen 9 km bergan gehen. Und schon noch einem Km war ich platt. Vollkommen platt. So fertig dass ich mich am liebsten hingesetzt hätte. Aber langsam ging ich weiter. Laufen ging meist auf den Flachstücken kaum noch. Und das wurde echt nervig. Ich war sogar so fertig dass ich meine Frau anrief um einen kurzen Moment abgelenkt zu sein. Und die 1-2km darauf gingen auch wieder besser. Aber dann schwankte ich leider. War es die Kraft? Oder die Müdigkeit? Auf jeden Fall kamen nun Km für die ich 20 Minuten benötigte...
Und ich hatte Durst. Unglaublichen Durst. Und meine beiden Flaschen waren schon bald, viel zu bald, fast leer. Und eine Verpflegung sollte es erst wieder bei Km 35 geben.
Irgendwann, endlich, wieder an der Abzweigung gewesen. Es wurde schon langsam hell. Und ein paar Schneefelder lagen vor mir. Da passierten Dinge die ich auch als Zeichen wahrnahm: Erst an einem Elektroweidezaun hängen geblieben, dann im tiefsten Matsch fast stecken geblieben, und schließlich mein Schienbein an einem Sacheldrahtzaun aufzureißen. Und als ich dann noch in einem Schneefeld einen anderen Läufer sein Fußgelenk kühlen sah und er auch nur noch aussteigen wollte war mein Entschluss auch klar. Irgendwie ins Tal und von dort nach Hause. So begleitete ich den Verletzten das steilste Stück erstmal bergab und als es nur noch leicht abfiel versuchte ich zu laufen. Aber selbst bergab ging es nur sehr schwer. Da waren keine Krämpfe, ich fühlte mich einfach schlapp. Ich kam mir nicht müde vor, aber war es wohl innerlich. Diese Herausforderung heute war zu groß für mich.
Im Ort dann angekommen schaffte ich es sogar noch mich zu verlaufen. 1 km umhergeirrt und dann den VP gefunden und meinen Ausstieg mitgeteilt. Nach viel trinken und noch mehr essen kam dann auch der Verletzte und dankenswerterweise wurden wir zurück zum Startbereich gefahren. Und so lief ich dann noch 1km bis zu meiner Unterkunft und war um halb 7, nach 37 gelaufenen Km und 2000 HM, pünktlich zum Frühstück wieder bei meiner Familie.
Den Vormittag verbrachte ich dann mit Ausruhen und Schlafen, aber nachmittags, am ersten herrlichen sonnigen Tag dort vor Ort wurde wieder gewandert. Eben im Tempo eines Dreijährigen bei nochmals 500 HM. Das war genau das richtige und mehr ging auch nicht mehr an diesem Tag.
Ja. Mit langen Pausen und viel Trotz und Lust auf den Lauf hätte ich mir am Abend meine Medaille abholen können. Aber um mich noch 50 km zu quälen war mir die Distanz einfach zu weit.
Und nun genug der Worte, es war ja trotzdem schön, mir geht es gut, hier die Bilder:
Tolle Trails
Matschig wars
Herrliches Bergpanorama

Vor dem Start
Ausrüstungskontrolle
Tolle Stimmung im Zelt vor dem Start
Vor dem Start
Unterwegs bei Nacht
Es wird hell
Viel geht nicht mehr
Tolle Landschaft


Erfolgreich regenerieren
Bis dahin:
Irgendwann geht's weiter

Markus

Montag, 27. Mai 2019

Tiergartenlauf Nürnberg

Hallo,

mit viel Glück und einer Bloggerfreundschaft zu iwan-bloggt.de  erhielt ich einen Startplatz für den Tiergartenlauf in Nürnberg. Dieser war nach nur 8 Minuten ausverkauft. So sehr hat sich dieser schöne Lauf innerhalb von 4 Jahren in die Herzen der Läufer katapultiert.
So fuhren ich mit meiner Familie am Freitag Mittag die 200 km nach Nürnberg um dort am Abend die 10 km zu laufen und dann noch ein tolles Wochenende zu verbringen.
Ab 16 Uhr konnte man die Startnummer abholen und dann umsonst den Tiergarten besichtigen. Dieses Angebot nahmen wir natürlich gerne wahr. Und so standen wir auch 5 Minuten später bereits bei den Kängurus und meine Kinder waren zufrieden. So liefen wir noch 90 Minuten durch den Zoo und ich merkte wie müde ich war. Auch dass meine Form zur Zeit eigentlich nicht für einen kurzen und schnellen Lauf ausgelegt ist war mir klar, aber gelaufen werden sollte trotzdem!
3 Runden mit je 60 HM durch den Tiergarten starteten dann pünktlich um 19 Uhr. Und wie die Geparde jagte die Menge los. Ich kannte die Strecke nicht, hatten wir uns im Tiergarten bisher auch nur im vorderen Bereich aufgehalten. Nach 3:37 min war der erste Kilometer geschafft und hätte mir jemand eine Liege oder ein Sauerstoffzelt angeboten hätte ich zugegriffen.
Doch dann begann die Steigung. Wow, geht's da hoch. So gut es geht versuchte ich es hoch zu laufen. Wurde jedoch überholt. In Gedanken hoffte ich es wären nur die 6,6 km-Läufer die nur 2 Runden laufen müssten - wußte es aber wohl besser. Oben angekommen hoffte ich auf ein schnelles Gefälle, aber erstmal eben weiter, dann hinab, dann nochmals hoch, dann Wasser und dann hinab zur zweiten Runden.  Und dort waren besonders viele Zuschauer. Aber auch sonst standen an der ganzen Strecke begeisterte Menschen und jubelten. Und auch manche Tiere gaben Laute von sich bei denen ich hoffte sie meinen das gut ;-)
Ab der zweiten Runde schaute ich mir den Tiergarten dann genauer an. Eine sehr gute Platzierung oder Zeit war eh nicht mehr zu erreichen heute und so sah ich dann Flamingos und Esel, Störche und Büffel, tolle Spielplätze und Pinguine. Und schon bald zu überrundende Läufer. Aber da begann das Slalomlaufen. Und jetzt weiß ich auch warum nicht mehr Läufer auf die Strecke dürfen. Teilweise war es schon sehr eng und gefährlich wenn von hinten welche bergab mit Vollgas rennen und andere vielleicht gerade erst wieder loslaufen. Aber alles gut ausgegangen.
1,5 km vor dem Ziel wollte mich dann noch einer überholen, aber da hatte ich dann doch etwas dagegen. Und so blieb ich dran, holte mit ihm einen anderen Läufer ein und ging vorbei. Nicht lange - und so lieferten wir uns ein Duell das hin und her ging. Da vorne noch ein Läufer, auch den schnappte ich mir noch. Und dann die letzen 150 Meter im Vollsprint von 3 min/km ins Ziel.  Knapp über 43 min blieb die Uhr dann stehen. Und ich auch. Jetzt bloß nicht umfallen. Aber ein Liter Wasser später ging ich dann auch gut gelaunt und mit einer wunderschönen Medaille einer Seekuh, dem Wappentier dieses Jahr (war auch auf dem Laufshirt), zu meiner Familie.



Wir gingen dann zur Siegerehrung, ich registrierte meinen 15 Platz und war zufrieden für heute, und zum Abschluss gab es noch eine Seelöwen- und Delfinshow. Daran hatten vor allem meine KInder ihren großen Spaß. Wie auch an den vielen Läufern die begeistert bei jedem Rundendurchlauf einschlugen.

So begann ein tolles Wochenende in Nürnberg. In den nächsten beiden Tagen besuchten wir nochmals ausführlich den Tiergarten, jagten den Sternen im Planetarium hinterher, aßen lecker fränkisch, besuchten die Kaiserburg und besuchten ein Kindermuseum in dem man alles anfassen und ausprobieren durfte. Zufrieden, erschöpft und glücklich ging es dann zurück.

Bis dahin:
Schnell genug sein bei der Anmeldung!

Markus

Montag, 6. Mai 2019

Der Weg bei Nacht

Hallo,

Samstag Abend, 20:40h:

Die Sonne geht unter. Ich steige aus dem Auto aus, ziehe meinen Laurucksack an  und laufe los. Ziel sind die rund 55 Kilometer des Rößlewegs. Bei Nacht.
Die ersten Kilometer lasse ich es entspannt angehen. Und als die Helligkeit vollkommen verschwindet begrüße ich den ersten Mitläufer.






Von dort an sollte etwas zügiger werden und ich merke schon das mir an jedem Anstieg die Kraft fehlt. Aber trotzdem wird gelaufen. Erstmal.

Um 22:30h sammeln wir dann die restlichen 4 Läufer ein und starten wieder mit einem Anstieg. Doch nach 2 Kilometer der erste Sturz. Nicht von mir. Aber 2 Hände sind blutig aufgekratzt. Nach einer Versorgung der Wunden geht's für alle weiter.
Was bei Tag kein Problem ist zu laufen wird plötzlich ziemlich anspruchsvoll. Wo ich den Weg sonst auswendig kenne muss ich jetzt auch genauer nach Wegweisern schauen und aufmerksam laufen.
So habe ich trotz allem bald 23 Kilometer auf der Uhr. Und leider auch zu wenig Kraft um diese große Runde vernünftig abschließen zu können.


So verabschiede ich mich von meinen Mitläufern und laufe in den Talkessel hinein. Hinein in die Menschen die um die Häuser ziehen auf der Suche nach Spaß, Aufregung und unvergesslichen Abenden. So einen hatte ich auch. Auch wenn ich ihn gerne länger genossen hätte. So umkurve ich die Massen von Menschen - erschrecke sie mit meiner Strinlampe und genieße bald darauf auch wieder die Ruhe der Parks und des Flussufers. Nach 36 Kilometern bin ich dann im Auto und freue mich auf eine warme Dusche um gegen halb 2 auch zu schlafen.

Bis dahin:
Nachtlauf - eine tolle Erfahrung

Markus